Ramona Richter

#rasendnachberlin mit Laura Hottenrott

Die Ruhe nach dem Sturm… 

Für meine nächste Homestory ging es nach NRW, genauer gesagt zu Laura Hottenrott nach Köln. Geplant war eine zeitliche Punktlandung um 12:50 Uhr am Köln Hauptbahnhof.

Pünktlichkeit und Deutsche Bahn?

Ich gebe zu, eine dezente Skepsis war ununterbrochen da, aber nachdem zwei Drittel der Fahrt gut verliefen, rückte anstelle des Misstrauen Gutgläubigkeit. Aber man soll den Tag bekanntlich nicht vor dem Abend loben. Zurückliegende Reisen hatten mich eigentlich eines Besseren belehrt. Demnach kamen die am Ende summierten 45 Minuten plus nicht überraschend.

Der Schneesturm und die völlig zugeschneiten Straßen in Köln dagegen schon. Der Blick Richtung Dom blieb aus und ich schaute nur eilig nach Lauras ‚weißem‘ Audi – weiß und Schnee, es gäbe natürlich eine kontrastreichere Kombi, insbesondere wenn man Laura und ich Gefährt noch nie zuvor persönlich gesehen hat.

Eine gestresste rasende Reporterin, eine tiefenentspannte Laura

Etwas überfordert mit der ganzen Situation erreichte ich sie endlich und sprang nur eilig auf den Beifahrersitz. Laura hingegen wartete ganz geduldig und wirkte völlig ausgeglichen. Und das, obwohl um halb zwei eigentlich schon der nächste Termin anstand und wir bereits zu spät waren: die Ehrung des Schülermarathons und die Ehrung der drei besten des Studi-Werk Cups im Rahmen des 21. Rhein Energie Köln Marathons.

Letzteres konnte die 25-Jährige als Studentin der Sport-Universität Köln für sich entscheiden und gleichzeitig mit ihrer neuen persönlichen Bestzeit (1:13:15 Stunden) über die Halbmarathon-Distanz auch insgesamt in der Frauenwertung hinter Sabrina Mockenhaupt den zweiten Platz belegen.

Hinter den Kulissen bei besonderer Kulisse

Ich war nur inoffiziell als rasende Reporterin geladen, durfte das Event, welches in der Lanxess Arena stattfand und mit einem Hockeyspiel der Kölner Haie abgerundet werden sollte, offiziell als Lauras Begleitung miterleben. Zeitgleich konnte ich erste Aufnahmen für die Homestory sammeln und mir meine ersten exklusiven Hintergründe sichern.

Zwar sind Events wie diese nicht alltäglich, kommen verdienterweise aber durchaus auch mal vor – nämlich wenn es heißt, besondere Leistungen entsprechend wertzuschätzen.

Laura war aber nicht nur als Siegerin geladen, sondern auch als offizielle Botschafterin des Köln Marathons. So auch Marathoni Hendrik Pfeiffer, der sich zu ihr auf die Bühne gesellte und uns auch später zum Essen begleite.

Zuvor aber lösten wir unsere Tickets für das Eishockey Spiel. Um 16:30 Uhr saßen wir im Stadion und verfolgten das Heimspiel gegen Nürnberg.

Frauen sind nicht Multitasking fähig

Ein Irrglaube! Dessen bin ich mir aber schon länger bewusst. Wurde durch Laura dahingehend aber noch einmal bestätigt, denn sie sagte selbst, mehre Dinge einfach nicht gleichzeitig hinzubekommen.

Wobei es auch manchmal schlicht mit Desinteresse begründet werden kann. Wie wir drei während des Hockeyspiels: wir unterhielten uns lieber, anstatt dem Puck zu folgen.

Vor dem letzten dritten Drittel gaben wir uns schließlich der tobenden Kulisse geschlagen und verlagerten unsere Unterhaltung in ein thailändisches Restaurant.

Die Ruhe nach dem Sturm

Das ein oder andere Sprichwort wird sich hier ebenfalls noch einem kleinen Update unterziehen. Aber erst einmal weiter im Text…

Nachdem wir Schnee, Arena und die Parkplatzsuche endlich hinter uns lassen konnten und entspannt beim Thailänder einkehrten, wurden auch die Gespräche immer tiefgründiger und altbewährte Weisheiten auf den Prüfstand gestellt.

Allgemeine Informationen wie…

der Vereinswechsel von der GSV Eintracht Baunatal zum TV Wattenscheid…
dass sie aber trotzdem weiterhin von ihrem Vater, der Professor für Trainingswissenschaften ist und ehemaliger Triathlet war, trainiert wird…
und somit schon als Kind väterlich geprägt die Vielseitigkeit des Sportes erleben konnte (von Schwimmen, über klassisches Ballett hin zum Ju-Jutsu)…

…wurden auf Nachfragen tiefgründiger!

Eine zweite heimliche Leidenschaft

Laura war eigentlich schon immer ein ‚Papakind‘. Gemeinsam geht es seit nun mehr als zwanzig Jahren alljährlich eine Woche vor Weihnachten in die Schweizer Berge zum Ski- Langlauf. Ein Sport, den sich Laura unter anderen Umständen und Gegebenheiten durchaus hätte vorstellen können, leistungsorientiert zu betreiben.

Der Sport selbst war aber lange Jahre nur an dritter Stelle und weniger professionell ausgerichtet. Das änderte sich, als sich Laura das Ziel setzte, für ein Stipendium an ihrer sportlichen Form zu feilen. Ehrgeizig verbesserte sie in wenigen Monaten ihre Laufleistungen und ermöglichte sich somit ihre Auslandssemester in Boston.

Die Zeit in den Staaten hat ihr grundsätzlich dabei geholfen, zu wissen, was sie will und wofür sie steht. Man könnte fast meinen, sie hat sich ‚abroad‘ charakterlich sortiert und ihre Prioritäten neu gesetzt.

Bewusst im Hier und Jetzt

Ein wesentlicher Punkt war und ist es für Laura, viel bewusster den Moment wahrzunehmen bzw. zu genießen. Das stand nämlich im Kontrast zu ihren Erfahrungen in den USA.

Das Leben spielte dort – noch viel extremer als heutzutage hierzulande – virtuell ab. Von morgens bis abends war man online. Erreichbar. Man brauchte quasi ununterbrochen ein virtuelles Indiz dafür, dass man tatsächlich am Leben war.

Ich bin dann mal off

Laura geht daher bewusst für Stunden einfach offline und lässt ihr Handy beispielsweise für längere Zeiten im Flugmodus.

„Ich erledige erst einmal wichtige Dinge und lass mich nicht ablenken! Stehe beispielsweise Morgen früh auf, lass das Handy weiterhin links liegen, mache meinen Auftakt und gehe zur Uni.“

Lauras Worte: „Ich bin nicht Multitasking-fähig!“ würde ich an dieser Stelle also so nicht unterschreiben. Ich behaupte, es ist viel mehr ein bewusstes Ausblenden, um sich gänzlich auf das zu konzentrieren, was vor ihr liegt. Um das Augenblickliche zu erleben, ohne mit dem Kopf schon wieder woanders zu sein.

Keine halben Sachen

Laura setzt also eher auf Kontraste und pendelt zwischen zwei Extremen. An- und Entspannung. Strenge Disziplin vs. Laissez-Faire.

„Nur so kann ich mich gänzlich auf etwas einlassen und habe gleichzeitig jedes Mal auch aufs Neue die Motivation, etwas mit 100% und eben nicht halbherzig zu machen.“

Im Hinblick auf die EM setzt Laura allerdings noch einmal 20% drauf. Ihr Ziel: 42,195km lang von heimischen Publikum durch die Hauptstadt gejagt zu werden.

Am Morgen vor meiner Abreise jagte Laura schließlich mich noch einmal durch die Gegend, ehe es für sie kurz vor 10 Uhr zu einem Seminar in die Sport-Universität Köln ging und für mich mich mit dem IC zurück nach Hamburg.

Hier geht es zur Homestory im Bewegtbild

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