Ramona Richter

#rasendgetalkt mit Tom Gröschel

Wenn du dir dein Leben getragen von vier Säulen vorstellst, welche sind diese jeweils?

  1. Familie
  2. Freunde
  3. Sport
  4. Schlaf

Was darf bei dir im Alltag nicht fehlen?

Mein Mittagsschlaf

Was stimmt dich glücklich, was regt dich auf?

Glücklich macht mich die Zeit auf dem Dorf mit meiner Familie abseits des Trainings. Und ich rege mich auf, wenn ich meinen selbst gesteckten Zeitplan nicht einhalten kann.

Deine (heimliche) zweite Leidenschaft?

Alte motorisierte Fahrzeuge aus der ehemaligen DDR.

DDR-Kult-Motorrad ‚die Schwalbe‘, Hersteller Simson

Welche Erfahrung hat dich maßgeblich als Mensch und Sportler geprägt?

Freunde sind die Menschen, die man Ewigkeiten nicht siehst und beim erneuten Treffen kommt es dir so vor, als wäre das letzte Treffen erst gestern gewesen.

Was gibt dir der Sport?

„Laufen ist mein Leben“ – das habe ich schon mal in einem Interview gesagt (in der SVZ; Anm.d.R. -> hier geht es zum Beitrag) und werde dafür gerne von meiner Wattenscheider Trainingsgruppe aufgezogen, aber es stimmt nach wie vor!

Wo liegt deine gesunde Mitte?

Leistungssport auch mal zur Seite schieben zu können und Zeit mit den anderen Säulen zu verbringen! In der Mitte zwischen Freunden und Familie.

Zwischen Freunden und Familie… Aber auch innerhalb und zwischen den Trainingseinheiten macht das Miteinander Toms wertvolle Mitte aus. Hier im Trainingslager in St. Moritz (v.l.n.r.: Coach Tono Kirschbaum, Amanal Petros, Marius Probst, Tom Gröschel und Alexander Ides.

Ein Blick ins Training

Du hast die Marathon-Team-Norm (02:17:00h) für die Heim-EM in Düsseldorf klar unterboten (02:15:20h), wurdest zeitgleich überraschend neuer Deutscher Meister im Marathon und bist auch offiziell Teil des DLV-Aufgebots für Berlin – was für emotionale Wochen liegen hinter dir und mit welchen Empfindungen schaust du jetzt auf die nächsten?

Es ist mir immer noch ein Rätsel wie ich das geschafft habe! Mein Körper hatte mir wenig Zuversicht auf ein erfolgreiches Abschneiden gezeigt. Jetzt bin ich umso gespannter wie es bei der EM laufen wird.

Anm.d.Red.: Tom war über Wochen und Monate verletzt. Ein Längsriss in der linken Achillessehne und dazu eine Entzündung in der Ferse haben ihn ein neun wöchiges absolutes Sportverbot  aufgedonnert. Gleichzeitig musste er Vacoped-Stiefel tragen und im August 2017 erst wieder richtig gehen lernen. Ein Monat später kam das Laufen und danach ging es langsam Berg auf bzw. #rasendnachberlin.

Was bedeutet dir der Start bei einer Heim-EM?

Meine Heimat (Mühl Rosin, Gemeinde im Mecklenburg-Vorpommern; Anm.d.Red.) ist ca. zwei Stunden Fahrt von Berlin entfernt! Es werden sich viele Freunde auf den Weg nach Berlin machen. Vielleicht auch der ein oder andere, der sonst nicht so viel mit dem Laufen am Hut hat, kommt nach Berlin, um mich als Menschen zu unterstützen!

Wie sieht dein spezifisches Training aus? Worauf legst du persönlich Wert?

Da mein Körper nicht so viele Laufkilometer verträgt, wie es beim Marathonläufer vielleicht üblich ist (durchschnittlich sind es 120 Laufkilometer und vier Stunden Alternativtraining in der Woche; Anm.d.Red.), verlege ich alle lockeren Einheiten ins Wasser oder aufs Rad. Kombinationseinheiten aus Laufen und Radfahren haben bisher gut funktioniert. Sobald ich mit dem Training fertig bin, müssen die Speicher wieder gefüllt werden, das heißt: ESSEN!

Das Alternativtraining kann man auch im offiziellen Rahmen abspulen – hier beim Köln-Marathon als offizielle Radbegleitung von Hendrik Pfeiffer.

Was bekommst du häufiger von deinem Trainer zu hören?

Höre auf deinen Körper und mache nicht immer alles ein bisschen schneller als geplant.

Welche Einheiten würdest du lieber aus dem Trainingsplan streichen? Welche liegen dir dagegen besonders gut?

Knallharte Tempoläufe fallen mir am schwersten. Gesteigerte Dauerläufe mache ich am liebsten.

Aber auch durch die harten Einheiten auf der Bahn muss Tom durch. Hier auf dem Foto dicht gefolgt von Amanal Petros.

Was sind deine Schwächen als auch Stärken?

Den Plan immer etwas zu übererfüllen!

Was motiviert dich?

Nicht nur meine eigenen Rennen, sondern auch Erfolge von Trainingspartnern oder anderen Sportlern geben mir Mut, es auch wieder zu schaffen, ganz oben zu stehen.

Wie wirst du schnell wieder fit? Dein Regenerationstipp?

Ich habe auch in Verletzungsphasen immer alles andere drum herum gemacht und zehre davon bei jedem Wiedereinstieg. Sobald der erste Muskelkater überstanden ist, kann ich wieder fast im normalen Maß trainieren. Mittagsschlaf ist mir heilig! In anstrengenden Trainingsphasen würde ich ohne ihn nicht über die Runden kommen.

Dein persönlich größter Erfolg bislang?

Sportlich der deutsche Meistertitel im Marathon in Düsseldorf 2018! Wer mir vorher diese Geschichte erzählt hätte, den hätte ich für verrückt erklärt.

Nun mehr seit 10 Jahren hat mir der Sport viele Türen geöffnet und mich zu dem Menschen gemacht, der ich jetzt bin. Die Menschen an meiner Seite, die mich auf diesem Weg begleiten, sind der größte Erfolg!

Eine bunte Mischung aus Familie mit Mutter Barbara, Vater Jörg, Bruder Lutz und Oma Christa. Freunden aus seinem Dorf und allen besten Freunden, mit denen Tom schon mehr als die Hälfte seines Lebens verbracht hat. Bis auf Philipp Baar, waren die Jungs fast alle in Rostock mit ihm auf der Sportschule und Leichtathleten. Der Sport war der Anfang, jetzt sind es Freunde fürs Leben! Die meisten von Ihnen werden in Berlin an der Strecke stehen oder wie Philipp selber laufen.

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