Ramona Richter

Füdli spanne, bitte – Fabienne Schlumpf

Die aufgeschlossene Hindernisläuferin mit Schweizer Akzent habe ich zuletzt in Rio kurz vor ihrem Wettkampf über 3.000m Hindernis getroffen. Nachdem ich Fabienne mit ein paar kuriosen Fragen konfrontierte, stellte ich mich ihr – wie auch einigen anderen Olympioniken – bei den „Laraschischen Spielen“.

„Wer springt höher?“ lautete die Challenge…

Ich gebe zu, etwas leichtsinnig von mir, als kleinwüchsige Reporterin gegen den sympathischen Riesen, der auf Hürden und somit Sprungfähigkeit aus ist, anzutreten. Aber sei es drum, manchmal muss man – mir – meine Schwächen ganz klar vor die Nase halten, nur so lernt man dazu und kann sich verbessern.

Genau das zeichnet auch Fabienne als Sportlerin aus:

„Im Training bin ich immer sehr konzentriert bei der Sache, ab und zu auch ein Perfektionist.“

Dennoch hat sie mit der Zeit gelernt, flexibel zu bleiben und auch aus einer suboptimalen Situation das Beste zu machen und damit zufrieden zu sein.

Fabienne vereint in ihrem Eigenschaftspool neben Zielstrebigkeit und Fleiß, besonders Fröhlichkeit. Mit dieser lebt es sich grundsätzlich leichter und der Erfolg stellt sich trotzdem ein.

Gemeinsam mit ihrem Trainer werden je nach Saisonverlauf Schwerpunkte gesetzt und an der Form gefeilt bzw. auf die Körperspannung geachtet.

„Füdli spanne!“

…heißt es daher bei fast jedem Hürdenkoordinationstraining, denn nichts klappt ohne gescheite Körperspannung!

Und diese Hindernisse sind es auch, die Fabienne an der Disziplin reizen. Das „Einfach Augen zu und durch!“ geht hier nämlich leider nicht, wie auch schon der Hindernisläufer Philipp Reinhardt einst sagte. Die Hürden und Wassergräben kommen einem immer wieder in die Quere.

Trotzdem wollte Fabienne diese extra Herausforderung, denn Laufen allein reichte der 26-Jährigen nicht, auch wenn sie erst mit 17 Jahren mit gezieltem Lauftraining angefangen hat.

„Zuvor besuchte ich zweimal pro Woche das Leichtathletiktraining und trainierte die verschiedensten Disziplinen. Lauftraining, besonders Dauerläufe, mochte ich da noch überhaupt nicht.“

Trotzdem startete sie an den Wochenenden ab und zu an regionalen Läufen. Und weil sie da bereits nicht gerade langsam unterwegs war, schien der weitere Weg eigentlich klar.

Die dank der Mama vererbten Laufgene sollten schließlich nicht sinnlos vor sich hin vegetieren.

Dank Fabiennes Ehrgeiz und glücklicherweise größtenteils Verletzungsresistenz, konnte sie die Gene passend fordern und sich stetig verbessern.

„Der dadurch mögliche langfristige Aufbau ist sicher eines der Schlüsselelemente. Zudem habe ich einen super Trainier und ein perfektes Umfeld an meiner Seite, welche mich auf meinem Weg unterstützen.“

Die Olympischen Spiele in Rio waren dabei definitiv eines jener SchlüsselMOMENTE in ihrer sportlichen Karriere.

Beim Vorlauf über 3.000m Hindernis, auf das sie so lange Zeit hin trainiert hatte, lief sie ihr bislang bestes Rennen und erfüllte ihrem Trainer und sich somit den Traum vom Olympiafinale.

„Ich denke heute noch sehr gerne an die Zeit in Rio zurück und bekomme Gänsehaut, wenn ich Bilder sehe.“

Mittlerweile ist das Visier aber neu ausgerichtet, auf die 2.000m Hindernis in Pliezhausen am 14. Mai 2017!

„Das wird mein erstes Hindernisrennen seit dem letzten September sein. Ich mag es, mit einem Rennen über die krumme Strecke einzusteigen.“

Dabei geht es ihr vor allem darum, die Hindernistechnik und den Wassergraben zu üben. Die Abschlusseinheit dafür findet normalerweise auf der Bahn vier Tage vor dem Wettkampf statt. „Wobei je nach Priorität des Wettkampf das auch abweichen kann.“

Das langfristige Ziel steht auch schon fest: Immer schneller werden!

„So lange ich das Gefühl habe, noch nicht alles ausgereizt zu haben und mich stetig zu verbessern, bin ich motiviert. Gerne würde ich mal an einem Großanlass eine Medaille gewinnen. An der EM 2018 in Berlin möchte ich gerne auf dem Podest stehen und irgendwann mal einen schnellen Marathon absolvieren.“

Große Ziele für eine wortwörtlich große Sportlerin, die jetzt schon bedeutsame Erfolge verzeichnen durfte. Das lässt natürlich hoffen, dass der ein und andere Paukenschlag noch folgen wird.

Jetzt wünschen wir Dir aber erst einmal eine gute Vorbereitung für Pliezhausen. Für darüber hinaus behalte dir deine Leichtfüßigkeit und Lebensfreude. Wichtig natürlich auch, dass du deine Leidenschaft und Strebsamkeit weiterhin gesund auskosten kannst und dich deinen Zielsetzung somit stetig ein Stück weit näherst.

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