Ramona Richter

Nicht ICH, sondern WIR – bei der Halbmarathon DM in Hannover 2017

Vorname… Philipp

Nachname… Baar

Titel… Deutscher Meister im Halbmarathon

Den 24-Jährigen hatte niemand so wirklich auf der Rechnung. Der Junge tauchte plötzlich auf und sicherte sich den Meistertitel. „Es“ und vor allem „Er“ kam mehr als überraschend.

Vor knapp drei Monaten lebte Philipp ja auch noch in den USA (Houston/Texas), wo er dank Sportstipendium an der Texas A&M University in Corpus Christi studierte und für das Leichtathletik-Team der A&M, die Islanders, an den Start ging.

‚Abroad‘ wirbelte er besonders die Cross-Country-Serie auf

Jene Liga, die für das College einen großen Stellenwert hat. Die Erfolgen wirken sich im Endeffekt natürlich auch auf die Uni selbst aus, sodass man sich mit den sportlichen Leistungen der Studenten profiliert und sich so einen bedeutenden Namen macht.

Nach Sonntag erfährt der Name Philipp Baar (ART Düsseldorf) jedoch einen ebenso würdigen Stellenwert in der deutschen Laufszene.

64:57 Minuten lang lieferte sich Philipp einen spannenden Zweikampf mit dem U23-Rekordhalter Hendrik Pfeiffer (TV Wattenscheid).

„Es war einer dieser Tage, wo man denkt, man könnte den ganzen Tag laufen. Es lief wie geschmiert, nur in den letzten fünf Minuten musste ich ein wenig knautschen.“

Allerdings konnte er sich so auf den verbliebenen zwei Kilometern endlich von Hendrik absetzen und mit einem Vorsprung von zwölf Sekunden finishen.

Dass Philipp der Einzige ist, der sich an Hendriks Fersen heftet, hätte er persönlich nicht gedacht. Beide legten ein derartiges Tempo vor, dass sich sogar das Führungsfahrzeug nicht so richtig absetzen konnte, um den Jungs freie Bahn zu schaffen.

Auf zum Endspurt!

In Sachen Tempo wusste sein Trainer Jürgen Stephan alias ‚Steppke‘ aber um das Potenzial seines Schützlings und dass er dieses auf jeden Fall mithalten kann.

Steppke, der auch seit über 14 Jahren den Olympioniken Julian Flügel trainiert, ist niemand, der sich zu weit aus dem Fenster lehnt. Er nimmt eine realistische und zugleich bescheidende Haltung ein, die er neben dem Faktor ‚einfach Spaß haben‘ auch seinen Schützlingen ans Herz legt.

Und damit gebührt den Namen um den frisch gebackenem Meister dieselbe Anerkennung. Das betont auch Philipp und macht mir mit seinen Worten im Interview immer wieder deutlich, dass die Menschen um ihn herum mindestens die gleiche Wertschätzung verdient haben.

Teamwork

Neben Steppke, der „individuell auf uns eingeht und als, ich sage mal, ‚glorifizierte Beraterstelle‘ fungiert“, ist es vor allem auch seine Frau Regina, die dem erst kürzlich gegenseitig gegebenen Eheversprechen mehr als warmherzig und unterstützend gerecht wird.

„Sie tat alles, damit ich mich ganz auf das Rennen konzentrieren konnte!“

Nahm sich selbst zurück und stand ihm bestmöglichst zur Seite, damit er am Tag X seine Leistung abrufen konnte. Mit Erfolg, wie sich zeigte.

Daher muss an dieser Stelle auch Regina Tribut gezollt werden. Sogar aus sportlicher Sicht, denn im Rahmen des am Sonntag ebenfalls organisierten 10km Laufes, sicherte sie sich in stolzen 37:26 Minuten die Silbermedaille.

Philipps Frau Regina holt sich nach stolzen 37:26 Minuten die Silbermedaille über 10km.

Ein abgestimmtes Team, dass nicht nur gemeinsam stark ist, sondern auch in der Einzelwertung erfolgreich abliefert.

Stichwort Team. Auch in der Mannschaft holte Philipp mit Simon Stützel und Andreas Straßner die Goldmedaille. Emotionale Bilder, die zeigen, dass wir oft erst durch Andere versteckte Kraftpakete zünden und so über uns hinaus wachsen. Dadurch wird der Kampfgeist bzw. Teamgeist sowie die Leidenschaft fürs Laufen umso intensiver gelebt.

Bereits in den vergangenen Trainingswochen konnte Philipp an der Seite seiner Laufkollegen wie Jan Lukas Becker (MTV Karlsruhe), Paul Schmidt (Deutscher Rekordhalter über 50km), Fabian Clarkson (SCC Berlin) sowie einigen anderen Leuten aus Berlin seine Kilometer sammeln und sich für Hannover rüsten.

Philipp bei einer seiner Kerneinheiten vor Hannover: 8x1000m von 3:09 bis 2:34min (die letzte Runde in 58sek). Vorne weg sein Physiotherapeut Adrian Poppe, der das Trainingsprogramm größtenteils mit abklapperte und ihn nach dem Halbmarathon auch wieder zurecht biegen konnte.

Und auch wenn Philipp im Training oder Wettkampf sehr gut alleine beißen kann, wertschätzt er diesen motivierenden Austausch und ist sich der zusätzlichen Kraft bewusst, die dadurch erst frei wird.

„Dafür bin ich wirklich sehr dankbar!“

Seine Liebsten um sich zu haben, in Liebe Kraft zu geben und somit auch die eigene Hingabe für das Laufen umso stärker ausleben zu dürfen. Alle waren da, sogar seine Eltern und sein Bruder Gunnar waren extra angereist. Selbst seine Oma konnte dank TV-Übertragung ihren Enkel anfeuern.

An dieser Stelle grüßen wir diese noch einmal nachträglich.

„Eigentlich hatte ich vorgehabt, sie während des Interviews noch zu grüßen, dann aber leider die Gelegenheit verpasst.“ 

Während des ganzen Gesprächs zeigt mir Philipp, dass er sich sehr bewusst ist, vorher der Erfolg kommt. Er rückt sich selbst nicht in den Mittelpunkt, sondern mit seinen Freunden und der Familie noch mehr zusammen, um den besonderen Moment gemeinsam zu genießen. Er bewies an diesem Wochenende somit nicht nur große Sportlichkeit, sondern vor allem Herz!

Hier gibt es die Zusammenfassung aus Hannover mit mir als Sprecherin.

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