Ramona Richter

Eine Schweigeminute in Worten

Dis schreckliche Nachricht um den tragischen Unfall von Julia Viellehner verbreitete sich in wenigen Stunden im gesamten Netz und berührte zugleich in nur wenigen Sekunden unsere Herzen.

Zurück bleibt Fassungslosigkeit. Gefühle, für die man kaum Worte findet, weil allein die Vorstellung Leere hinterlässt.

Deshalb möchte ich heute auch nicht darauf rumreiten, was in uns vor geht… Sondern meine Worte allein jener „strahlenden Kämpferin“ widmen, wie sie Freundin und ASICS FrontRunnerin Rike Westermann beschreibt.

Ich persönlich kannte Julia auch nur über die ASICS FrontRunner

Jeder, mit dem ich über Julia sprach, beschrieb sie als durchweg positiven Menschen, der mit ihrer sonnigen Art ansteckte und mutwilligen Ehrgeiz beeindruckte. Sie bereicherte das Team als menschliches und sportliches Vorbild. War ein jahrelanges Teammitglied und wird es auch immer bleiben.

Teamkollegin und Triathletin Rike Westermann: „Sie war trotz ihrer so zarten Statur ein Kraftbündel. Ich habe Julia bewundert, wenn sie schon um fünf Uhr morgens auf dem Crosstrainer, der Rolle oder dem Laufband ihre erste Einheit absolviert hat. Und auch, wie sie sich nach Verletzungen immer wieder zurück gekämpft hat. Trotz des Schicksals mit ihrem Bruder und Vater hatte sie immer ein Lachen auf den Lippen. Ich sehe Julia wirklich als strahlende Kämpferin, als Sonnenschein und Energiebündel. Ich werde immer an sie denken und zahlreiche Kilometer für sie schwimmen, radeln und laufen.“

Auch Julias Vater und Bruder sind frühzeitig aus dem Familienleben gerissen worden. Haben schwere Wunden hinterlassen, die Julia – wie auch eigene Verletzungen und Rückschläge – stets mit Lebensmut trotzte.

Julia war mit ihren 31. Jahren einfach viel zu jung, um von uns zu gehen. Sie hatte doch noch so viel Lebenseifer, mit dem sie sich selbst zu besonderen Erinnerungen verholfen, andere gefesselt und motiviert hätte.

Unfassbar, wie schnell ein Leben zu Ende gehen kann.

Vielleicht war der Gedanke an das kostbare Leben auch immer Julias Antrieb, aus dem sie den Mut und die Kraft schöpfte – so schmerzlich beispielsweise der Verlust ihres Bruders und Vaters auch war.

Triathlet Dietmar Bier: „Ich durfte Julia im Rahmen der ASICS FrontRunner kennenlernen und habe sie immer nur positiv strahlend und engagiert erlebt. Sie war immer hilfsbereit  und ein toller Gesprächspartner. Wir haben ein wertvolles Team Mitglied verloren.“

So stärkte sie nicht nur sich selbst, sondern hatte auch immer Kraft übrig, anderen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Nicht nur unter Freunden und Kameraden, sondern auch ganz offiziell als Coach und Heilerziehungshelferin als auch gelernte Gesundheitsmanagerin.

Ihr körpereigener Motor glich einem Sonnengeladenen Akku, der nicht leer gehen wollte. Sie strahlte im Alltag und brennte für ihre sportliche Leidenschaft: dem Triathlon.

Dort konnte sie bereits einige Erfolge erzielen – wie beispielsweise ihren Vize-Weltmeistertitel im Duathlon über die Langdistanz (Powerman Zofingen), der Deutsche Vizemeistertitel über die Mitteldistanz (Challenge Heilbron), stolze Platzierungen beim Ironman oder der 70.3 Länge sowie diverse Siege über die Olympische Distanz.

Triathlet Matthias Schwarze: „Ich kannte Julia nicht besonders gut, habe sie aber als sehr fokussierte, zielstrebige und sehr aufgeräumte Sportlerin kennengelernt. Ich denke, diese Eigenschaften haben sie auch als Mensch außerhalb des Sports ausgemacht.“

So groß Julias Herz auch war, ließ sie sich von ihren Gefühlen oder der Konkurrenz im Wettkampf nicht beirren bzw. aus der Ruhe bringen.

Ihr unermüdlicher Ehrgeiz brachte sie ins Ziel

Wie zuletzt auch bei der Challenge Rimini – ihr Triathlon-Saison-Einstieg für 2017. Hier startete sie im vergangene Jahr nicht nur in ihr erstes Profi-Jahr, sondern bewies gleich mit ihrem dritten Platz, dass sie sich zurecht auf dieses Niveau eingelassen hat. Auch dieses Jahr konnte sie bei starker Konkurrenz einen zufriedenstellenden siebten Platz erreichen und ihre Zeit aus dem Vorjahr sogar noch einmal verbessern.

Es tut einfach weh, zu wissen, dass Julia ihren Ehrgeiz und Elan nun nicht mehr bündeln und auf den nächsten Wettkampf ausrichten kann.

Ihre Worte – „Wir sehen uns im Ziel“ – meinen jetzt ein anderes bzw. motivieren uns, das Leben wertzuschätzen, jeden Tag aufs Neue bewusst zu erleben und nicht einfach nur vor sich hinzuleben und vor allem: nach vorn zu schauen und sich nicht aufzugeben.

Es tut weh, zu wissen, dass ich nicht mehr die Chance bekomme, diesen besonderen Menschen näher kennenzulernen. Aber allein dank der Erzählungen anderer, konnte sie bereits berühren, begeistern und positiv beeinflussen.

Ihre sportliche Stärke und menschliche Größe bleibt uns zumindest in unserer Erinnerung erhalten, wie auch meine Worte ein stilles Gedenken an jenen besonderen Menschen sein soll.

Nehmen wir uns Julias Werte zu Herzen und versuchen stets mutwillig und zuversichtlich zu bleiben. Das Leben als Geschenk anzusehen und das Beste daraus, aus sich und für andere zu machen.

Ruhe mit einem Lächeln liebe Julia.

Fotocredit des Beitragsbildes: Christian Brüssel

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