Ramona Richter

Urlaub?

Ich packe meinen Koffer und nehme mit…

Allem voran zwei paar Laufschuhe, drei Laufhosen, acht Tops, einen Badeanzug, Schwimmbrille und Badekappe. Das Assecoire ‚Laufuhr‘ (samt Ladekabel) nicht zu vergessen. Wie weiß ich sonst, wie viele Kilometer ich auf unbekannten Wegen gesammelt habe? Natürlich darf dann auch die Blackroll nicht fehlen, damit auch die muskuläre Entspannung im Urlaub nicht zu kurz kommt. Und natürlich wasserfeste Sonnencreme, damit der Schutz trotz erhöhtem Schweißpotential beim Sporteln gegeben ist. Die Sonne darf man im Süden ja nicht unterschätzen.

Kann los gehen!

Zumindest äußerlich auf Urlaub eingestellt 😉

Stimme aus dem körpereigenen Off: „Ramona, du fährst nicht ins Trainingslager! Pack auch zwei drei Kleidchen ein und lass es dir bei einem Cocktail am Pool oder Strand gut gehen!“

Ein zwei Kleidchen und Röckchen und auch der Plantsch-Bikini finden natürlich ihren Platz. Schließlich verlangt die kulinarische Gönnung am Abend einen entsprechenden Dresscode und da das Beste nach einem sportlichen Tag das Buffet ist, wird der Koffer entsprechend ergänzt.

Highlight des Tages in jedem Trainingslager… aber wo bin ich hier eigentlich?

Apropos Gönnung: Gönn dir mal Ruhe!

Wo sich die einen vornehmen, im Urlaub mehr Sport zu treiben, müssen die anderen – ich – bewusst gebremst werden. Die #rasendereporterin soll also mal einen Gang runter schalten. Einfach mal nur so da liegen… ohne verletzt zu sein?

Dieses Zwangs-Tapering mit zwangsläufiger Halbierung der Wochenkilometer fallen mir ehrlich gesagt nicht so leicht.

„Deinem Kopf wird das gut tun. Lande erst einmal und anschließend versuche auch mental wieder auf dem Boden der Tatsachen anzukommen.“

Da ist schon was dran… Wer eine Zeit lang nämlich mal nicht Sport machen kann, realisiert oft erst, welches Pensum man tagtäglich abspult. Und im Flow dieses „immer mehr, immer weiter“ verliert man schnell den gesunden Bezug zur gesunden Mitte. Die aber notwendig ist, damit das Verhältnis stimmt und die Leistungskurve nicht unerwartet kippt.

„Also, reiß dich zusammen! Beine hoch!“

Der erste Tag auf Menorca

…beginnt mit Frühschwimmen. Aber bevor ich mir ein schlechtes Gewissen einrede: welcher Sportfanatiker würde bei 25 Grad (und das bereits um sieben Uhr morgens) und einem leeren Pool nicht die Gelegenheit nutzen, um bewegt in den Tag zu starten? Außerdem muss ich nicht Unmengen an Eintritt zahlen und von den umliegenden Balkons aus feuern mich noch ein paar spanische Kompaneros an. Heißt für mich: Morgen wieder!

Das lass ich mir doch nicht nehmen…

Der erste Tag dient dann meist der Orientierung. Soweit wurde alles gechekt und neben Hotelanlage, den naheliegenden Buchten und dem ‚Supermercado‘ von gegenüber auch das Hotel eigene Fitnessstudio, wo das Laufband gleich auf Tauglichkeit geprüft werden musste.

Unterm Strich: alles zu meiner Zufriedenheit. Und auch wenn der erste Tag dezente Züge eines Trainingslagers annimmt… zu meiner Verteidigung: zwischendrin habe ich sogar ein Kreuzworträtsel gelöst!

Die rasende Reporterin kann einfach nicht den ganzen Tag nur herumliegen. Ich glaube, das stresst mich mehr, als mir nicht doch noch mal die Laufschuhe zu schnüren. 

Halbzeit auf der Insel

Obwohl ich mir diesen sportlichen Ausgleich nicht nehmen lasse, spüre ich, wie ich trotzdem häppchenweise die Gänge runter schalte. Mich auf das Hier und Jetzt einlasse. Ich schwimme immer noch jeden Morgen aber in mir herrscht nicht dieser streng getaktete Rhythmus.

Einfach mal abschalten

Kein Plan. Kein Alltag. Spontanität.

Genauso wertvoll war es mal, unerreichbar zu sein, ohne Laufuhr zu laufen, sich nicht als zweite Einheit im Haushalt verausgaben zu müssen, sich nicht ums Essen zu kümmern – kurz um: die Verantwortung abzugeben und mal nicht Herr der Lage zu sein. Bei all der alltäglichen Zügelei, die Führung abzugeben und die Dinge einfach auf sich zukommen zu lassen und vor allem bewusster wahrzunehmen. Denn wie viel übersehen wir in unserem alltäglich Trott und bekommen den Wert, der dahinter steckt, nicht mit.

Der Urlaub neigt sich so langsam dem Ende zu

Ist doch schön hier! Aber der rasenden Reporterin gefällt es auch Daheim 🙂 Aber oft lernen wir nur so, das Alltägliche wertzuschätzen.

Und ich freue mich auf Zuhause. Auf diesen Trott, der mich alias der rasende Reporterin schließlich auch ausmacht.

Allerdings weiß das „Normale“ anders zu schätzen und habe gleichzeitig aufs Neue Gefallen an all den Dingen gefunden, die sich nicht grundlos in meinem Alltag als Leidenschaft gefestigt haben.

Andere Bedingungen, andere Strecken… aber jetzt freut man sich auch wieder auf seine altbewehrten Routen Daheim!

Jede Leidenschaft aber verliert nicht selten an Reiz, wenn sie im übertriebenen Maße ausgekostet wird. Das fängt bei der gängigen 10km-Laufstrecke (die man irgendwann blind und rückwärts rennen könnte) oder dem x-ten Artikel an (der sich quasi von selbst schreibt) und hört bei den grundlegenden Frage auf:

Macht es mir noch Spaß?

Ich kann für mich sagen, dass ich das, was ich Tag ein Tag aus mache, lebe und liebe. Allerdings jetzt nach einem kurzen Boxenstopp mit neuer Energie, Hingabe und vor allem auch Einsicht!

Fazit: Ich bin wieder in Hamburg gelandet aber auch mental auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Alles hat Grenzen, so wie auch das Herz die eigene Leidenschaft nicht bis ins Unermessliche bedienen kann. Aber wir setzen trotzdem immer eine Schippe drauf. Wollen immer mehr, obwohl wir am Ende plötzlich leer ausgehen und ausgelaugt da stehen.

Das Gefühl, Urlaubsreif zu sein, kenne ich so zwar nicht wirklich. Aber im Nachhinein weiß ich, das dem so war! Der Kopf wurde resetet und berechnet neu, was dem Körper zumutbar ist.

Fest steht, der eins so vergraulte (aber notwendige) Ruhetag pro Woche wird mir jetzt deutlich leichter fallen. Nur wie lange?

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