Ramona Richter

#rasendgetalked mit Jana Sussmann

Für alle, denen die pubertäre Wetterlaune in diesem Jahr ebenfalls neuronal strapaziert, könnten es der Hindernisläuferin Jana Sussmann gleich tun und sich in die Sonne und Höhe verabschieden. In Dullstroom (Südafrika) trainiert es sich aktuell ‚angenehmer‘ – wobei ein Höhentrainingslager natürlich anderweitig aufs Gemüt schlägt.

Grundsätzlich halten aber weder die Bedingungen in unseren Breitengraden, noch die in knapp 2.000m Höhe die 27-Jährige davon ab, die Laufschuhe zu schnüren und ihr Training durchzuziehen. Aber stets nach der Devise „Qualität anstatt Quantität“. Das erspart ihr vielleicht auch die ein oder anderen Kilometer bei Hamburger Schietwedda.

Das kommt Janas anderen Herzensangelegenheiten – der Sportjournalismus, Zeit für Familie und Freunde und nicht zu vergessen das Kaffepäuschen – ganz recht bzw. nur wer klar Prioritäten setzt, wird seinen Vorlieben und Ansprüchen GErecht.

Als ‚Nachbarn‘ und quasi Berufskollegen kam auch ich in den Genuss eines kleinen Kaffeepäuschens bzw. Pläusch’chens mit Jana und dabei warfen wir uns gemäß unserer journalistischen Neugierde gegenseitig Fragen zu.

Nach wenigen Minuten waren wir zwei also in einer offenherzigen Unterhaltung über Kindheit, alltäglichen Herausforderungen, sportlichen Ziele und Gewürzvorlieben vertieft. 

Die Fragen und Antworten kullerten wie von selbst – so wie auch die zwei Stunden überraschend schnell dahin. Vielleicht lag es auch daran, dass man zwei positiv sprudelnde Wortakrobaten aufeinander los ließ und bei denen ähnliche Interessen den Content bestimmten.

Sie erzählte mir zum Beispiel, dass sie sich früher gerne beim Turnen austobte und dabei Verrenkungen an den Tag legen konnte, die sie rückblickend heute noch verblüffen. Aber auch für die „Rasende Reporterin“ sind diese anatomischen Verbiegungen dank Tütü und Ballerinas nicht fremd und auch Janas Füße hätten sich – sofern sie sich nicht in Laufschuhe verlaufen hätten – wie sie selber sagt, sicherlich auch in Ballettschuhen wohl gefühlt.

Durch ihre Zwillingsschwester „Mik“ (bzw. offiziell Kim genannt) hat sie am Ende allerdings doch ins Laufen gefunden und ist heute erfolgreiche 3.000m Hindernisläuferin (Laufteam Haspa Marathon Hamburg).

Anfangs rannte Jana ihrer Schwester lange aber nur hinterher. Mit 14 Jahren dann der überraschende Positionswechsel bei den Bundesjugendspielen in der sechsten Klasse.

„Eigentlich bin ich Mal wieder mit der Erwartung ‚höchstens Platz zwei‘ ins Rennen gegangen und landete dann auf einmal auf dem ersten. Damit hatte ich echt nicht gerechnet, aber danach blieb ich dann vorne.“

Von Missgunst seitens ihrer Schwester? Keine Spur!

„Ich glaube unter Zwillingsschwestern gibt es dieses Konkurrenzdenken nicht bzw. beide gewinnen, auch wenn der andere vorne liegt.“

Mik hat sich mittlerweile aus dem Leistungssport zurückgezogen, während Jana sich bewusst für eine Leistungssportkarriere entschieden hat.

Jana reist gerne, sofern es ihre Zeit zulässt, zum Trainieren in die Höhe – hier ins knapp 2000m hoch gelegene Dullstroom in Südarfika.

Ihr Fokus liegt sie jetzt wie bei vielen anderen Spitzensportler auf Berlin. Dennoch darf nebenberuflich der kreative und kognitive Ausgleich nicht fehlen. Deshalb arbeitet sie weiterhin als Freie Journalistin in der Sportredaktion der Bild-Zeitung und als Autorin für das Laufmagazin die Runner’s World.

Auf ihrer lebensfrohen und lockeren Art, fruchtet jedoch ein gesunder Ehrgeiz und ein rücksichtsvolles Körpergefühl, was sie beides trotz klarer Ziele achtsam auf der Spur hält.

„Es gab Zeiten, da bin ich im Training über mich hinausgeschossen. Ich habe verbissen nach Plan trainiert und es gab keine Ausreden.“

Ausreden bzw. Pausen, die aber notwendig und zielführend gewesen wären. Mittlerweile hört sie daher genauer hin und weiß, wo ihre Grenzen liegen,

„Ich bin froh, gesund zu sein und schmerzfrei laufen zu können. Das genieße ich einfach.“

In Südafrika wird Jana jetzt erst einmal drei Wochen an ihrer Form feilen. In diesem Sinne: mit positiv und zielorientiertem Gepäck geladen geht’s ans Training.

Viel Erfolg weiterhin und bleib gesund!

Jetzt noch einmal #rasendaufdenPunktgebracht

Wenn du dir dein Leben getragen von vier Säulen vorstellst, welche sind diese jeweils?

Die Menschen, denen ich vertraue, ein Alltag, den ich liebe, Erziehung und Lebensfreude.

Was darf bei dir im Alltag nicht fehlen?

Ein Plan. Der gute Mix aus Arbeit und Zeit für mich. Die Tagesschau. Mein Cappuccino (plus Franzbrötchen oder Kuchenartiges).

Was stimmt dich glücklich, was regt dich auf?

Anderen Menschen eine Freude zu machen, macht mich glücklich. Ebenso wie in der Heimat bei meinen Eltern und mit meinen Schwestern zu sein. Und eine neue Bestzeit zu laufen. Egoistische Verhaltensweisen, durch die andere das Nachsehen haben, regen mich auf.

Deine (heimliche) zweite Leidenschaft?

Ich glaube, wäre ich keine Läuferin, würde ich ganz mädchenhaft reiten oder Ballett tanzen.

Welche Erfahrung hat dich maßgeblich als Mensch und Sportler geprägt?

Der Tag, als ich das erste Mal selbst verdientes Geld bekommen und ausgegeben habe. Dann der Umzug nach Hamburg. Im Großstadtleben habe ich einiges erlebt, was ich aus meiner Dorfidylle nicht kannte. Und eine misslungene Saison nach einem mega erfolgreichen Jahr (2011, wo sie U23-Vizeeuropameisterin und Deutsche Meisterin über 3000m Hindernis bei den Frauen wurde; Anm.d.Red), durch das alle Erwartungen enorm hoch waren.

Was gibt dir der Sport?

Fitness, Bestätigung, frische Luft und Motivation für andere Lebensbereiche.

Wo liegt deine gesunde Mitte?

Im Bereich des Bauchnabels.

Ein Blick ins Training

Worauf kommt es bei 3000m Hindernis an?

Auf die kluge Renneinteilung und die Kombination aus Ausdauer und Kraft.

Wie sieht dein spezifisches Training aus? Worauf legst du persönlich Wert?

Im Winter eine stabile Ausdauergrundlage legen und darauf im Frühjahr mit Tempoeinheiten aufbauen. Je näher die Sommersaison rückt, desto mehr Tempotraining mit Hürden laufen. Außerdem die Schnelligkeitsausdauer nicht vernachlässigen.

Jana (links) mit ihrer Vereinskollegin Tabea Themann.

Was bekommst du häufiger von deinem Trainer zu hören?

„Laufe nicht so stark auf dem Vorfuß!“

Welche Einheiten würdest du lieber aus dem Trainingsplan streichen? Welche liegen dir dagegen besonders gut?

Ich liebe 400er mit Hürden. Am besten wenig Läufe, dafür schön schnell. Auf lange Dauerläufe würde ich am liebsten verzichten. Leider kann ich dadurch meine Ausdauer am besten aufbauen.

Was sind deine Schwächen als auch Stärken?

Schwäche: meine zierliche Figur.

Stärke: Weil ich nun schon zu der älteren DLV-Läufergeneration gehöre, weiß ich: Es ist Quatsch, ein Training rauszuquetschen, wenn es nicht geht. Es bringt viel mehr, auf seinen Körper zu hören. Das muss man aber erst lernen. Und das geht nur durch Selbsterfahrung.

Was motiviert dich?

Schnelle Durchgangszeiten bei noch lockerem Körpergefühl. Musik aus meiner Bästi-Liste und Anfeuerungsrufe meiner Zwillingsschwester.

Wie wirst du schnell wieder fit? Dein Regenerationstipp?

Schlaf hilft am besten.

Dein persönlich größter Erfolg bislang?

U23-Vizeeuropameisterin und Deutsche Meisterin über 3000m Hindernis bei den Großen.

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