Ramona Richter

Aus der Wiege in die Karre!

In der Familie Reinwand scheint es so zu sein, dass einem das Laufen nicht nur in die Wiege gelegt wird, sondern es gleich mit bzw. in der Babykarre weiter geht.

So wird man zwangsläufig laufend großgezogen und bekommt als Kind schon Mal einen realistischen Eindruck von der potentiellen Pace, die man eines Tages selbst hinlegt.

Bei Sebastian hat es zuerst auch rollend angefangen. Regelmäßig sammelte er seine Kilometer auf dem Skateboard. Aber scheinbar wussten seine Eltern, dass es so langsam an der Zeit war, von Rollen auf Laufschuhe zu wechseln.

„Meine Eltern haben mich mit 13 Jahren einfach in einem Leichtathletikverein angemeldet, weil sie Angst hatten, dass ich sonst vor dem Fernseher verrotte. Ganz Unrecht hatten sie damit wahrscheinlich nicht, wobei ich mich zu der Zeit ja auf dem Skateboard schon regelmäßig bewegt habe. Etwa zum gleichen Zeitpunkt hat mein Vater mit Triathlon begonnen, als wir dann das erste Mal gegeneinander gelaufen sind, war mein Ehrgeiz geweckt.“

Das Laufen war und ist der richtige Weg für Sebastian

„Es ist mein Lebensinhalt, dem ich alles andere weitgehend unterordne. Ich kann mir einfach nichts Schöneres vorstellen, als zu laufen.“

Egal wie, egal wann, egal wo… Hauptsache Laufen!

Egal wie, egal wann, egal wo… Hauptsache Laufen!

Und deshalb muss der Alltag gut getaktet sein, damit die anderen Herzensangelegenheiten nicht zu kurz kommen.

„Wenn man seinen Tagesablauf strukturiert und wie ich eine verständnisvolle Partnerin an seiner Seite hat, ist das alles halb so wild. Ich bringe unseren Sohn morgens ums Eck zur Kita und starte von dort direkt meine erste Einheit. Danach arbeite ich bis 15 Uhr und kümmere mich meistens auf dem Nachhauseweg um die Einkäufe. Dann gönne ich mir zugegebener Maßen auf Kosten meiner Frau meistens ein Nachmittagsschläfchen und beginne danach schon mal das Abendessen vorzubereiten.“

Falls kein zweites Training ansteht, ist direkt Spielzeit mit dem Sohnemann angesagt oder eben erst nach der zweiten Einheit. Bevor es schließlich gegen 21 Uhr mit Papa ins Bett geht.

Am Wochenende ist dann meistens mehr Zeit für das Miteinander – sofern Sebastian nicht gerade auf Wettkämpfen unterwegs ist.

Mehr als nur ein Ausgleich

„In erster Linie will ich natürlich immer noch besser werden, sprich Bestzeiten rennen. Wenn eine meiner PBs dann für einen internationalen Einsatz reichen sollte, ist das umso schöner. Bei der Heim EM in Berlin wäre ich natürlich auch gerne dabei, aber die Konkurrenz schläft nicht.“

Als Sportler ist Sebastian absolut zielstrebig und kompromisslos.

„Der Weg zum Erfolg ist beim Laufen, wie in so vielen anderen Bereichen des Lebens für die Meisten eben kein kurzer. Man muss an sich arbeiten, für seine Ziele kämpfen: und das diszipliniert, hartnäckig aber gleichzeitig geduldig und nachsichtig. Der Fokus muss stimmen. Wer kein Jahrhundert-Talent ist, wird anders keinen Erfolg haben.“

Sebastians persönlich größtes Highlight waren die 10.000m, die er im Rahmen der Schweizer Meisterschaften 2012 erstmalig unter 30min gelaufen ist. Aber auch die deutschen Meisterschaftstitel mit seinem Team in Bad Liebenzell, Frankfurt und Hannover sind schöne Erinnerungen.

„Wir sehen uns alle ja generell schon nicht so häufig und wenn es dann noch etwas zu feiern gibt, macht es doppelt Spaß.“

Zum Leistungssport gehören auch Rückschläge. Allerdings lernt man mit der Zeit, besser damit umzugehen und dass es sich am Ende auszahlt, wenn man an einer Sache dran bleibt.

Im Training heißt das: es kann und muss dann auch mal weh tun! Beispielsweise bei den Tempoeinheiten.

Nicht immer nur ‚joggen‘!

Grundlegend setzt Sebastian aber auf Abwechslung:

„Meiner Meinung nach ist es wichtig alle Trainingsbereiche ganzjährig, aber mit differenzierter Priorisierung abzudecken, also Schnelligkeit, Ausdauer, Kraftausdauer, Laktatverträglichkeit etc.“

Eine schöne und praktische Abwechslung ist dabei natürlich auch das Kinderwagen-Laufen.

„Ich habe zufällig im Internet vom Halbmarathon Weltrekord mit Babyjogger gelesen und mir dann gedacht die 1:11h sollte ich eigentlich auch packen. Der Eintrag im Guinness Buch der Rekorde wäre bestimmt nicht mein sportliches Highlight, aber eine schöne Anekdote, die ich in vielen Jahren noch mit meinem Sohn teilen kann.“

Also wurde gleich nach dem schnellsten Modell gegoogelt, welches seinem Ruf dank Praxistest auch gleich gerecht wurde: so rannten Vater und Sohn auf Anhieb relativ lockere 36 Minuten über 10km. 

Einfach rollen lassen

Hier beim Sportcheck-Lauf in Nürnberg.

Besonders bei normalen Dauerläufen ist es wirklich kein Problem, den Babyjogger dabei zu haben. Als positiven Nebeneffekt kann ich so meine Frau ab und zu eine extra Stunde entlasten und unserem Sohn gefällt es sowieso super, gut damit durch die Gegend gepusht zu werden.

Der eigene Weltrekordversuch steht allerdings noch aus

„Ich muss mir jetzt bald mal einen Termin suchen, bevor mir noch Julian Flügel, Steffen Uliczka oder ein anderer mit seinem Nachwuchs in die Quere kommt ;-)“

Welche Vor- bzw. Nachteile gibt es noch, wenn man sich mit Baby-Karre auf den Weg macht?

„Die ersten Male spürt man danach seine Arm- und Schultermuskulatur etwas, aber auch nicht mehr als nach einer neuen Athletik Übung und nach dreimal Laufen ist man daran gewöhnt. Auf einem flach asphaltierten Radweg verliert man vielleicht 5-8sek/km und macht zusätzlich ein bisschen mehr Kraftausdauer Training. Sogar athletisch bringt es ein Bisschen was, weil man gezwungen wird aufrechter zu laufen.“

Bedeutet, das eigene Training profitiert sogar von der anfänglichen Intention, seinen Pflichten praktikabel nachzugehen.

Fazit: praktisch und effizient!

Und wer mit derselben Einstellung an sein Training geht, sprich strebsam seine Ziele verfolgt und sein Möglichstes tut, an seiner Form zu feilen, dem greift Sebastian dabei auch gerne unter die Arme.

„Ich arbeite inzwischen ja mit vielen Leuten als Trainer zusammen, was mir sehr viel Freude bereitet. Es ist einfach schön zu sehen, wie sich Leute Ziele stecken, dafür kämpfen und diese dann auch erreichen. Dabei ist es nicht einmal wichtig, ob es ein sub1:50h Halbmarathon ist oder wie bei Andreas Straßner ein 2:18h Marathon.“

Das kann ich dank der Laufreise mit Mocki und Co. nur bestätigen.

Laufreise mit Mocki und Co. Anfang diesen Jahres: Mitten drin Laufcoach Sebastian Reinwand, der uns neben harter Tempowechsel zwischendrin auch mal eine kleine Pause gönnte.

Besonders Sebastian bemühte sich nämlich, den individuellen Trainingsansprüchen der Teilnehmer gerecht zu werden. Einfach auch weil die Motivation stimmte und jeder an sich arbeiten wollte!

Neben Disziplin, Strebsamkeit und Effizienz zählt vor allem eins…

„Dass ich weiterhin viel Spaß am Laufen habe und mir aussuchen kann, wann und wo ich starte.“

Jetzt freuen wir uns erst einmal auf deinen geplanten Weltrekordversuch mit deinem Sohnemann. Und wer weiß, wie es zukünftig weitergeht. Denn du hast es selber gesagt: Teamkollege Julian Flügel hat bereits nachgezogen und auch die anderen sind im besten Alter, ihre Laufgene weiterzugeben. Fest steht: Laufen bereichert. Und vor allem, wenn man es mit anderen bzw. sogar seinen Liebsten teilen darf.

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