Ramona Richter

Niederlagen sind nur Umwege auf dem Weg zum Erfolg

Georg Fleischhauer (LG Eintracht Frankfurt) hat sich auf 400m Hürden spezialisiert und rannte diese zuletzt bei der Sparkassen Gala in Regensburg. Nachdem er mit seiner Leistung eine Woche zuvor in Rehlingen nicht sonderlich zufrieden war, wollte er den Rückschlag im Unistadion wieder wett machen.

„Alles über 51s wollte ich diese Saison eigentlich nicht mehr sehen. Dafür habe ich nicht trainiert und die Trainingsleistungen sprechen auch eine andere Sprache…“

Allerdings konnte er sein Potenzial auch in Regensburg nicht umsetzen und blieb leider wieder knapp über 51 Sekunden (51,04 sek) und wurde damit Vierter.

Wie auch schon in Rehlingen haperte es am Rhythmus, was häufig einfach an der Wettkampfssituation liegt.

„Da ich dort mehr Spannung und Druck habe (was ja gut ist), komme ich stets zu nah an die Hürden und muss deshalb immer wieder Tempo rausnehmen. Dadurch vergeude ich natürlich Energie.“

Die Hürde spricht für sich: es bleibt ein Hindernis!

Die Schritte müssen dem eigenen Takt treffsicher folgen, ansonsten stehen einem nicht nur die Hürden, sondern die Beine selbst im Weg.

Aber jetzt erst einmal weg vom Wettkampf hin zu jenem Menschen, der sich hinter dem 28-jährigen Hürdenläufer verbirgt.

Georg Fleischhauer ist mit neun Jahren zur Leichtathletik gekommen. Bereits in der Schule rannte er immer allen davon, sodass seine Laufeuphorie und vor allem das Talent auf die richtige Bahn gelenkt werden musste. Also ging es zur Leichtathletik, weil seine Mutter nicht wollte, dass er beim Fußball dem Ball hinterher jagt.

„Dann habe ich natürlich erstmal alles gemacht, bis sich mit etwa 13 Jahren langsam herauskristallisiert hat, dass ich im Hürdensprint und im Weitsprung die meisten Erfolge erzielen konnte.“

Irgendwann waren es dann nur noch die Hürden, weil er beim vielen Springen immer Probleme im Rücken bekam. Endlich gab Georg dem Drängen seiner Trainerin Erika Falz in Dresden nach und probierte sich auf der langen Hürdenstrecke (400m) aus, nachdem er auf den 110m nicht den Erfolg einfahren konnte.

„Das lief dann ganz gut und so sagte ich mir: Auch wenn es deutlich mehr Schmerzen in Training und Wettkampf bedeutet, probiere ich es, wenn ich dafür endlich erfolgreich bin.“

Welche Herausforderung kommt beim Hürdenlauf auf einen zu?

„Es ist die Kombination aus Schnelligkeit, Hürdentechnik, Rhythmusgefühl und Biss. Wenn es gut läuft, ist es Spaß, wenn nicht, ist es Quälerei.“

Zu Georgs Stärken zählen ganz klar Schnelligkeit und Hürdentechnik aber auch sein Rhythmusgefühl, obwohl es die letzten Male genau daran scheiterte.

Dass er alle Anforderungen aber gut unter einen Hut bekommen kann, beweisen seine Leistungen aus den vergangene Jahren.

Sein größter Erfolg war dabei die Teilnahme an der WM in Daegu 2011 und seine persönliche Bestzeit von 48,72s über 400m Hürden, die bis heute die schnellste Zeit eines Deutschen in diesem Jahrtausend ist. Daneben kommen dann die beiden Meistertitel 2010 und 2012 und der 6. Platz bei der EM 2012 in Helsinki.

Ein Olympiastart blieb ihm leider aber noch verwehrt, allerdings ist das nach wie vor sein großes Ziel!

Und davon lässt er sich nicht abbringen, auch wenn die letzten drei bis vier Jahre nicht besonders gut liefen.

„Natürlich fällt es einem dann schwer, sich immer wieder zu motivieren und man verliert eine gewisse Lockerheit, mit der man an die Sache heranzugehen hat. Aber ich werde dennoch versuchen, dieses Jahr wieder mehr zu sein wie damals…“

Niederlagen sind stets nur wie ein Umweg zum Erfolg zu werten!

„Von daher hoffe ich, bald wieder auf der richtigen Spur zu sein!“

Und dabei möchte er auch die Unsicherheit ablegen, die sich aufgrund der Rückschläge eingeschlichen hat.

„Ich glaube, die letzten Jahr habe ich mich zu sehr über den Sport definiert und dadurch auch mental bei Niederlagen zu viel einstecken müssen. Das war wahrscheinlich ein Fehler, weil es früher zu erfolgreichen Zeiten nicht so war. Das Ganze kam eher als Bonus, da ich eigentlich (fast) ein normaler Student mit einem intensiven Hobby war. Vielleicht wollte ich es dadurch auch teilweise zu sehr und war dann zu verkrampft ? Ich kann es nicht zu 100% sagen.“

Mittlerweile hat Georg das Studium (Wirtschaftsingenieurwesen Bachelor + Master an der TU Dresden) beendet und arbeitet seit sieben Monaten in Teilzeit bei PwC (PricewaterhouseCoopers International) in der Beratung.

„Dadurch habe ich einen guten Ausgleich und wieder das Gefühl, auch neben dem Sport etwas gut zu können. Das gibt mir auch Sicherheit für die Zukunft und lässt mich eigentlich wieder lockerer an den Sport herangehen.“

Trotzdem investiert Georg nach wie vor viel und möchte demzufolge auch davon zehren und bestenfalls an den früheren Erfolge anknüpfen.

„Einfach ist das natürlich nicht, aber ich versuche, mein Bestes zu geben und schaue, was dabei herauskommt.“

Und das, obwohl Georg eigentlich jemand ist, der lieber für stabile und sichere Verhältnisse ist, anstelle des großen Abenteuers.

„Was aber nicht heißt, dass ich es nicht doch manchmal brauche und es mir dann auch gut tut.“

Deshalb freut er sich auf der anderen Seite schon auf die Zeit nach dem Sport, wo er all die Dinge machen kann, für die er zurzeit keine Zeit hat.

Aber bis dato möchte er leistungstechnisch noch alles ausschöpfen, was möglich ist.

In diesem Sinne – volle Kraft voraus!

Fotocredit des Beitragsbildes: Markus Herkert

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