Ramona Richter

#StayfuckingHome

Und was mach ich da?

Das Zuhause bleiben, fühlt sich anders an, wenn dir jemand vorschreibt, genau dort zu bleiben – auch wenn du dich selber auch dafür entschieden hättest. Früher als gedacht setzt jemand hinter deinem Freiheitsgedanken einen Punkt – nein, ein bestimmendes Ausrufezeichen.

Mein sturer Kopf kann jetzt nicht weiter sein Ding durchziehen. Der Freigeist in mir, der manchmal gerne auch seine eigenen Gesetze schreibt, musste sich jetzt aus gutem Grund zurücknehmen und anpassen. Kein Wenn und Aber. Zugegeben, selten fiel mir das „einfach so hinnehmen“ leichter.

Wenn es um Menschenleben geht, gibt es halt einfach keine Widerworte

Genauso schnell wie sich der Virus real und medial verbreitet hat, machte sich in mir in gleicher Geschwindigkeit die richtige Einsicht breit. Genauso schnell wie die Infektionskurve anstieg, stieg in mir auch das Schamgefühl, dass ich mich anfangs noch um Banalitäten (wie geschlossene Schwimmbäder und mein ausfallendes Schwimmtraining) kümmerte. Aber ich war sicherlich nicht die Einzige, die Covid-19 zunächst unterschätzte – das aber nur aus Unwissen, welches stündlich mit neuen Informationen angereichert wurde.

Die Lage war und ist ernst

Ich lernte schnell wertzuschätzen, was mir noch blieb und dass dies im Grunde auch nicht weniger ist als sonst. Ich durfte laufen gehen, von Daheim aus arbeiten (wie ich es bislang sowieso schon an zwei Tagen in der Woche tat), mittags eine Rad Runde bei bestem Wetter drehen, einkaufen gehen und mir etwas Leckeres zum Abendessen kochen, vor dem Schlafen gehen meine Serie streamen (auch wenn das Netz zuweilen überlaufen ist) oder dank digitalem Netz mit Freunden und Familien vernetzt bleiben.

Man reduziert und besinnt sich auf das Nötigste und Wichtigste – wozu am Ende des Tages ganz bestimmt auch eine Rolle Klopapier gehört oder die 20 Päckchen Trockenhefe.

Nur das Nachrichten schreiben, ist irgendwie nicht mehr dasselbe. Einem wird nämlich noch bewusst als sonst, dass es auf die reale Nähe ankommt. Es mag jetzt zwar alles Größtenteils beim Alten geblieben sein, aber das wäre dann ehrlich gesagt nicht gut. Denn es würde bedeuten, dass das Wichtigste bislang einfach zu kurz gekommen ist und das aus falschen Gründen.

„Keine Zeit“ ? Wohl eher „falsche Prioritätensetzung“!

Zeit, die man am Handy verliert und ins Nachrichten schreiben investiert, hätte auch für einen #realtalk gereicht, bei dem man sich nicht nur real gegenübersteht, sondern gemäß dem Hashtag auch viel tiefgründiger unterhalten könnte. So mit echten Emotionen und sichtbaren Reaktionen – keine Emojis oder Hashtags, die es nur kurz und knapp halten. Denn Zeit, die man hierbei eingespart hat, fehlt genau jetzt. Denn wir sehen, kann sich das Leben von jetzt auf gleich verändern und wir stehen gezwungenen Maßen alleine da.

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