Ramona Richter

#spassinnebacken

Sportsfreunde? Sind wir doch alle irgendwie!

Wo der Eine täglich seine Laufschuhe schnürt oder mehrmals die Woche die Badekappe drüber zieht, macht es sich ein Anderer vor dem Fernseher – sofern es ein Sender überträgt – bzw. Lifestream bequem und verfolgt so den Wettstreit.

Auch ich habe mich heute mal passiv hinter den LapTop gesetzt und bei Google das Stichwort „Sportsfreund“ eingegeben. Ich wollte mir nämlich einen jener Sportbegeisterten rauspicken, über den sich die Presse vielleicht noch nicht hergemacht hat.

Raus kam folgende Definition:

„Sören Lehmann alias der Sportsfreund – Triathlet & Blogger; positiv (sport)verrückt; immer mit dem gewissen Hang zur Extreme; neugierig und passioniert.“

Fotocredit: Sören Lehmann

Na, der Junge war mir schon mal sympathisch. Also habe ich weitere Recherche-Skills eingesetzt und die Suche intensiviert. Auch wenn Sören jetzt kein Profi-Athlet ist und ich kaum Einträge fand, hat auch er seine Geschichte, die ich an dieser Stelle einfach mal erzählen wollte. 

Was zeichnet Dich als Sportler aus?

„Wenn ich mir etwas vornehme, z. B. die monatelange Vorbereitung für den Berlin Marathon 2015, dann zieh‘ ich das auch durch. Keine Ausreden! Ich bin da sehr zielorientiert, wenn’s darauf ankommt.“

Dabei folgt der Drang keinem auferlegten Zwang, sondern einer ehrlichen Leidenschaft.

Einfach machen!

Was genau und seit wann?

„Daran kann ich mich noch sehr gut erinnern. Es war 2014 und ich Volunteer in der ersten Wechselzone des Strandräuber Ironman 70.3 in Binz. Es goss wie aus Eimern. Als die ersten Pros zu den Rädern kamen, murmelten einige der Zuschauer so etwas wie: ‚Oh Gott die Armen, jetzt müssen sie auch noch bei Donner und strömenden Regen da raus‘. Das konnte ich dagegen gar nicht verstehen und wäre am liebsten selbst losgeballert – frei nach dem Motto #ketterechts. In diesem Moment wusste ich, dass es Triathlon werden soll.“

Zweite Trainingseinheit check! Fotocredit: Sören Lehmann

Was reizt Dich am Triathlon?

„Viel zitiert, aber auch ein unschlagbares Argument: Die Abwechslung. Wenn Du mal kein Bock mehr auf Kacheln zählen hast, schnappst du dir dein Rad. Wenn Du auf Eiertanz stehst, liegen die präparierten Laufschuhe bereits in der Selfmade-Wechselzone zu Hause in der Garage.“

Bis das „Selfmade“ einem organisierten Event – Wettkampf – weicht:

„Die positive Anspannung, die Materialschlacht, das Kribbeln kurz vorm Startschuss, die Schmerzen sowie Endorphine an diesem Tag.“

Alles Dinge, wofür Sören brennt und als „Sportfreund“ bzw. Triathlon-Fan jedes TV- und Livestreamrennen verfolgt oder selbst an der Startlinie steht.

Dieses eindimensionale triathletische Denken…

Alle Anhänger der swimbikerun-Bewegung wissen, was gemeint ist. Ab und an, vor allem in der Wettkampfphase, verfällt man diesem Lifestyle – auf Kosten des sozialen Umfeldes.

„Dass mir Triathlon wichtig ist, habe ich besonders stark gespürt, als ich letztes Jahr mehrere Monate verletzt war. Es ist halt immer so, dass wir erst merken, wie wichtig uns etwas ist, wenn wir es nicht mehr haben.“

Auf der anderen Seite hat Sören aber mit der Zeit einen gesunden Abstand zu eben jenem „Lifestyle“ gewonnen.

„Ironischerweise habe ich das ebenfalls während der Verletzungsphase gemerkt. So stark die Leidenschaft zum Sport ist – mein Leben ist mehr als das Training und die Bestzeiten!“

Immer mit der Ruhe – im Leben dreht sich nicht alles nur um Sport! Fotocredit: Sören Lehmann

Dafür ist das Leben zu facettenreich und selbst die Abwechslung im Triathlon langt da nicht.

„Ich verwende oft den ’spassinnebacken‘-Hashtag. Die Anekdote dazu: Vor 3 Jahren wollte ich Profi Triathlet werden, ich war Feuer und Flamme. Bis ich relativ schnell die Sache mit dem ’nicht so krassen VO2max‘ feststellen durfte. Das war erst einmal niederschmetternd. ‚So viele sind mit so jungen Jahren schon so viel besser als ich‘, dachte ich. Es war und ist natürlich Mumpitz, so zu denken. Viel besser: Alles locker zu sehen, ohne Druck. Mit Spaß oder eben #spassinnebacken macht alles so viel mehr Sinn!“

„Ob du Profi bist oder Amateur, das Wichtigste ist es nie zu vergessen, dass Du es tust, weil Du es liebst!“

Erst vor wenigen Tagen ist Sören einfach nur 90 Minuten locker auf dem Rennrad der Abendsonne entgegen gecruist. „Junkmiles“ nennen es die einen. Hauptsache Du hast Spaß dabei! 

„Ab und an lasse ich mich jedoch bewusst vom eindimensionalen Triathlon-Dasein überrennen…“

Besonders in Erinnerung geblieben: die Teamstaffel beim 31. STR Triathlon 2016 in Senftenberg.

„Spontan hatten wir – Lars, Philipp und ich – uns auf Facebook gefunden und die Sprintdistanz so gerockt, dass es für’s Podium gereicht hat. Abgesehen vom Ergebnis war das einfach eine geile Erfahrung! Triathlon ist aus seiner Natur heraus latent egozentrisch angehaucht, doch wenn man sich darauf einlässt, kann so ein Teamerlebnis das Glück sogar noch potenzieren! So habe ich es zumindest gefühlt.“

Die Voraussetzungen mit…

„kein so krasser VO2Max-Wert“

und „erste Mal 2014 wieder eine Schwimmhalle betreten, nachdem der letzte Besuch in der Grundschule war“

…sind zwar nicht die besten, aber der Wille ist umso stärker. Was Sören zuweilen „über’s Ziel hinausschießen lässt, woraus eigentlich alle meine bisherigen Verletzungen resultierten.“

Nach Jahrelanger-Schwimmabstinenz ging es 2014 das erste Mal wieder Kacheln zählen. Fotocredit: Sören Lehmann

Manchmal ist die „Extrameile“ eben doch nicht so klug…

Lieber eine extra Portion von…

„Gutem und vielem Essen. Denn gut und viel essen, kann ich auf jeden Fall und das braucht man ja schließlich auch, um ordentlich was im Tank zu haben :D!“

…um sich der nächsten Herausforderung zu stellen. Und diese lassen bei Sören nicht lange auf sich warten: Erst Volksläufe, alpine Trails, Rennradrennen, Marathon, 24h-Events, seit drei Jahren Triathlon und aktuell Rennradmarathons. Dieses Jahr ruft nämlich der Ötztaler.

Was sonst noch auf seine mutwillige Agenda fällt, wird der nächste spontane Hunger zeigen.

Hauptsache: „Raus aus Deiner Komfortzone!“ 

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