Ramona Richter

So langsam färbt der Spitznamen ab oder wie?!

Vielleicht habe ich wie das Wetter einfach eine Jahreszeit übersprungen und bin direkt mit der Hochform eingestiegen. Im Sinne von: wer braucht schon den Frühling bzw. Adaptionszeit 😉

Ich habe ja nichts dagegen, allerdings fielen die neuen Bestzeiten mehr als überraschend und genau dann, wo ich nicht damit gerechnet hätte. Jedes Rennen lief ich quasi aus dem Training heraus und schraubte das Pensum in den Tagen vorher nicht wettkampfsgerecht runter. Zum Teil startete ich mit Muskelkater, nüchtern und das eine Mal mit Erkältungsresten in den Gliedern.

Alles Dinge, die ich hier gar nicht laut sagen sollte, aber die vielleicht meine verdutzte Euphorie im Ziel rechtfertigen.

Vor jedem Wettkampf hat man sich zwar wegen jener Umstände seine Gedanken gemacht und sich dahingehend keine besonderen Leistungen ausgemalt. Später erwiesen sich die körpereigenen Wehwechen und meine typische „Ochhh ich will lieber doch nicht starten“-Grübelei aber als verängstigtes Pseudogehabe.

Sobald nämlich der Startschuss fällt, nehmen meine Beine die Sache selbst in die Hand und der Kopf hat gar nichts mehr zu melden. Und dann läuft es meistens auch. Und die letzten Male halt besonders gut.

Endlich #rasendamstart

Aber das fing bereits Wochen zuvor im Training an…

Angefangen mit lockeren Dauerläufen, die laut Pace bei mir normalerweise als Tempodauerläufe zählen würden…. Eine ungewöhnliche Restenergie auf dem Rad, während ich bereits schon diverse laufende Kilometer in den Beinen hatte, die „Berge“ aber trotzdem hoch/klein trampelte. Gefolgt von dem ersten Wettkampf: die Marathonstaffel in Hamburg am 23. April.

Bowiling als Warm-Up am Abend vor dem Rennen.
Hier rannte ich erstmalig einen Kilometer unter vier Minuten. Ein unfassbar geiles Gefühl, wenn die Uhr plötzlich eine drei vorne anzeigt. Und schließlich meine ersten 10km in sub40min beim Avon-Frauenlauf in Berlin.
Bei den besagten 10km rannte ich JEDEN Kilometer jeweils unter vier Minuten! Verrückt. Ich weiß noch, wie ich im Training die 4:00-Pace jagte, die vier Minuten-Barriere aber kein einziges Mal knackte. Aber ein Wettkampf ist natürlich immer noch etwas anderes.

Aber damit nicht genug. Denn in jenem besagten Zehner hatte ich bereits beide meiner Ziele für das Jahr (sub40min auf 10km und sub20min auf 5km) abgehakt. Denn als ich die 5km-Marke passierte, stand bereits eine stolze 19 auf meiner Uhr. Völlig Endorphin-trunken, musste ich die Pace also nur noch halten und würde so auch die sub40 knacken. Als ich die herunterlaufenden Sekunden sah, schließlich noch einmal beschleunigte und mit den 39:57min über meinen Kopf die Ziellinie passierte, kamen die Tränen von allein.

Endlich auch mal K.O

Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass ich mich völlig erledigt auf den Boden werfen muss. Aber ich stolperte nur entgeistert weiter und musste erst einmal klar kommen. Das hat mir bis dato mein Bruder immer vorgeworfen: „Du gibst nicht alles, wenn du jetzt noch so herum läufst. Immer am Limit Ramona.“ Gesagt und endlich getan, behaupte ich mal…

Als mir schließlich mein Bruder entgegen kam und seine kleine Schwester stolz umarmte, gingen die Gefühle völlig durch mit mir. Aber bei keiner Torte darf das Sahnehäubchen fehlen! Und das war in meinem Fall der Doppelsieg innerhalb einer Woche.

 Firmenlauf in Jena 

Norderstedter Stadtlauf über 5km

Für die einen mag es vielleicht überspitzt klingen. Aber ich kann nur für mich sagen, dass es wirklich überwältigend ist, wenn sich das tägliche Training einfach mal einschlagend auszahlt.

Glücksgefühle, die zuweilen das Leiden bei nervigen Intervallen mehr als entschädigen. Endlich wurde der Fleiß und die Disziplin merklich anerkannt.

Der Erfolg war hier und da zwar schon zu merken, aber derart einschlagend fühlte es sich nur wie ein fettes Dankeschön an. Eine kleine Wertschätzung für den alltäglich Aufwand. Denn irgendwann schien es auch für mich als normal, Tag ein Tag aus all meine Zeit und Kraft zu investieren, ohne dass ich merklich davon zehren konnte bzw. mir selbst mit einem besonderen Erfolg neue Motivation und Kraft zurück geben durfte.

Aber woran lag es jetzt?

An den extra Schwimmeinheiten? Denn die hatte ich tatsächlich unter der Woche auf vier erhöht. Am Espresso-Booster vor dem Rennen? An der roten Bete? Die ich ungelogen jetzt seit einem Jahr täglich initiiere. Oder Meistertrainer Jürgen Stephan? Der nur noch an den richtigen Knöpfen drehte, nachdem Julian Flügel zuvor die Weichen gelegt hatte.

Sei es drum… fest steht: da geht noch was! 

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