Ramona Richter

SKlation – der ’schnellste Wolf‘ will es noch einmal wissen

Sven Knipphals gehört zu Deutschlands erfolgreichsten und vor allem schnellsten Sprintern und hat seine Spurtfähigkeit nicht nur mehrfach auf nationaler Ebene, sondern auch auf internationaler Bühne darbieten können.

Bei eines seiner sportlichen Highlights (den Olympischen Spielen in Rio 2016) war ich sogar live dabei und durfte auch schon bei Deutschen Meisterschaften miterleben, wie der ’schnellste Wolf‘ seine muskulären Kraftpakete zündet.

Als ‚rasende Reporterin‘ für LaRaSch bei den Olympischen Spielen in Rio 216. Hier bei den ‚larasch-ischen Spielen‘ im Liegestütz-Battle mit Sven Knipphals – den Beintechnisch sind die Chancen aussichtslos.

Nachdem Sven verletzungsbedingt leider der Start bei der Leichtathletik Europameisterschaft in Berlin verwehrt blieb, holt er sein sportliches Highlight in diesem Jahr in kleinerem aber persönlicherem Rahmen nach – nämlich mit seiner ‚SKlation‚ im Vfl-Stadion, in seiner Heimatstadt Wolfsburg. Der 32-Jährige will es noch einmal wissen, ehe er sich Morgen offiziell aus dem Profisport zurückzieht und seine Sportkarriere beendet.

Anlässlich dieses Events bat ich Sven, seine Zeit als Leistungssportler noch einmal Revue passieren zu lassen und mir die ein und andere Frage zu beantworten. 

Welche Momente haben sich besonders (positiv/negativ) in deiner Erinnerung festgesetzt?

Postiv: Auf jeden Fall alle Staffelmedaillen der EM 2014 und 2016 sowie 2015 mit der 4 x 200 m Staffel auf den Bahamas. Dazu natürlich meine persönliche Bestleistung mit 10,13 Sekunden über 100m in Regensburg. Außerdem denke ich immer noch, dass mein WM-Vorlauf bei -1,4m/s mit 10,31 Sekunden das beste Rennen meines Lebens war. 

Negativ: Der DM-Vorlauf 2015 bei dem ich, obwohl ich als Jahresbester angereist war, um 3 Tausendstel nicht ins Finale gekommen bin.

Was sind deine persönlich größten Erfolge?

Dass ich es mehr oder weniger gut geschafft habe, mein Studium und meine Arbeit mir dem Leistungsspot zu kombinieren (seit September 2013 arbeitet Sven als Chiropraktiker in Leipzig; Anm.d.Red.).

Was hat dir das Leben eines Profisportlers gezeigt und was hat es dich gelehrt?

Dass man zumindest bis zu einem gewissen Punkt mit harter Arbeit sehr viel erreichen kann, und dass ich ein viel zu ungeduldiger Mensch bin.

Mit welchen Schwierigkeiten wird man als Profisportler konfrontiert?

Der Spagat zwischen dualer Karriere und Leistungssport ist schon nicht leicht. Auch das Privatleben damit in Einklang zu bringen, ist vor allem langfristig eine große Herausforderung. Die Finanzierung des Sports ist auf jeden Fall eine andere Schwierigkeit, die ich in meinem Fall gut hinbekommen habe. Das ist aber so nicht auf andere Sportler übertragbar.

Wie würdest du deine Leidenschaft für die Disziplin Sprint in Worten beschreiben? Was reizt dich besonders daran?

Das ist total schwer. Für mich war es immer der Ehrgeiz und der Wille, besser zu werden. Aber das ist ja nicht Sprint-spezifisch. Das Gefühl, wenn man richtig in Form ist, wenn es einfach richtig nach vorn geht, ist unbeschreiblich. Und wenn in der Topspeed dann alles passt, ist man kurz gedankenfrei, was ein sehr besonderes Gefühl ist. 

Dein persönliches/dein sportliches Fazit zu deiner Karriere als Sportler?

Ich denke, ich habe mehr erreicht als mir 99,9 % der Menschen zugetraut haben. Aber der Spagat zwischen Familie, Sport und Arbeit hat am Ende zu viel Energie gekostet und hat so die letzten Jahre sportlich nicht mehr 100 % laufen lassen. Allerdings würde ich jederzeit jede Entscheidung genauso wieder treffen.  

Wie geht es jetzt für dich weiter? Welche mittel- und langfristigen Ziele hast du?

Mein Abschlusswettkampf SKlation am 19.08.2018 in meiner Heimatstadt Wolfsburg und in meinem Stadion wird mein letzter Wettkampf, danach werde ich die Spikes wohl (erstmal) komplett weglegen. Ich werde im Januar 2019 Vater und freue mich auf diesen neuen Lebensabschnitt. Zudem werde ich ab dem 03.09.2018 deutlich mehr als Chirorpaktor arbeiten und darüber hinaus die Trainingsgruppe von Ronald Stein in Leipzig therapeutisch als auch athletisch betreuen. Des Weiteren veröffentliche ich im Herbst 2018 zusammen mit Wolfgang Unsöld vom YPSI-Institut und meinem Vermarkter Ingo Bartels von TalentEntdecker ein E-Book mit dem Namen „Mach dich Schneller“. Zudem ist auch eine gedruckte Limited Edition in Planung. Langfristigere Ziele habe ich erstmal nicht. 

Was steht noch auf deiner ToDoListe des Lebens? Was willst du unbedingt noch einmal machen?

Diese Gedanken habe ich mir noch nicht so intensiv gestellt, weil ich bisher immer sehr sehr zufrieden mit meinem Leben war. Ich habe auch vor, in meinem Beruf besonders gut zu werden. Also werde ich mich noch deutlich mehr in Fortbildung und Seminare stürzen. Auch eine Promotion spukt mir immer mal im Kopf herum. Aber vor allem möchte ich meiner Familie jetzt gerecht werden, da diese sowohl viel zurückstecken musste in den letzten Jahren, mir aber auch immer unheimlich viel Rückendeckung gegeben hat. Meine Frau ist sehr reisebegeistert, was mich bisher, weil ich ein fußfauler Sprinter war, nicht so in den Bann gezogen hat. Aber da lasse ich mich gerne von ihr eines besseren belehren. 

Welcher Sven warst du vor zehn Jahren, welcher bist du heute und wo/wie siehst du dich nach weiteren zehn Jahren?

Ich würde sagen, dass ich mich nicht so sehr verändert habe, außer dass meine Haare kürzer geworden sind. Ich hoffe aber, dass ich etwas bedachter und umsichtiger geworden bin. Und in weiteren zehn Jahren hoffe ich, immer noch nicht all zu viele Veränderungen durchlebt zu haben. Mir gefällt es so wie es ist. 

Was gibst du der Leichtathletik und insbesondere dem Nachwuchs mit auf den Weg?

Der Leichtathletik, dass sie sich weiterhin professionalisiert, um nachhaltig der Leistungsentwicklung einen starken Untergrund zu liefern. 

Dem Nachwuchs kann ich nur sagen, dass man wirklich, wirklich hart arbeiten muss, um in der Leichtathletik erfolgreich zu sein. Wen das abschreckt, der ist hier falsch. Wer das als Herausforderung begreift, hat die besten Karten immer und immer besser zu werden. 

Danke Dir, Sven, für das Interview und deine Zeit! Für deinen weiteren Weg wünsche ich dir und deiner wachsenden Familie alles Gute und weitere bereichernde Jahre, die du später im Rückblick auch nicht anders erleben möchtest. 

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