Ramona Richter

#Frühlingserwachen

Eigentlich war bereits gestern Frühlingsanfang, doch heute zeigt er sich auch. Und es tut einfach gut! Wie Balsam für die Seele, die derzeit einiges abkriegt. Ich stehe am offenen Fenster und die Sonne streichelt mein Gesicht. Eine zarte Berührung, die gerade einfach fehlt. Ich schließe die Augen und für einen Moment herrscht Frieden – in mir und draußen.

Durchatmen. Zur Ruhe kommen. Ich lasse die Gedanken einfach an mir vorbeiziehen und genieße die Wärme auf meiner Haut. Ich entschleunige die Zeit und auch mein Herz schlägt langsamer. Mein Atem wird flacher und für einen Moment bleibt die Welt stehen…

Bis eine leichte Windböe mich wieder aufweckt und aus meiner heilen Welt reißt.

Einfach mal nur spazieren gehen und nicht nur an den Bäumen vorbeilaufen. Stehenbleiben. Wahrnehmen. Riechen.

Ich schaue ins Grüne. Wie sich die Zweigen sanft vom Wind mitreißen lassen und ganz entspannt von links nach rechts pendeln. Es könnte alles so schön sein und eigentlich ist es das auch – zumindest das, was ich gerade sehen kann, aber nicht das, was ich im Hintergrund weiß.

Viel zu selten habe ich einfach wahrgenommen. Im Eifer des alltäglichen Gefechts, Schaffen und „produktiv sein wollen“ einfach mal innegehalten und begriffen, dass es schon gut ist. Nein, dass so vieles wunderbar ist und oft zu wenig wertgeschätzt wird. Ich greife ehrgeizig nach mehr und sehe oft gar nicht, was ich schon in meinem Laufrucksack habe oder unterwegs gerade einsammle, während ich von A nach B rase.

Anhalten, innehalten, ohne dabei stehenbleiben zu müssen. Denn es ist gut, sich weiterentwickeln zu wollen, mehr aus sich und seinem Leben zu machen. Aber am Ende des Tages sollte das Leben nicht einfach an mir vorbeigezogen sein. Erleben und nicht nur streben. Dankbar sein. Denn von jetzt auf gleich kann sich alles ändern.

Warum sehen und verstehen wir immer erst rückblickend. Warum muss es immer erst knallen?

Solange es läuft, läuft man halt weiter. Aber jetzt lerne ich, mich mit viel weniger, dafür aber den wirklich wichtigen Dingen zufriedenzugeben. Und alles, was dazukommt, ist dann nur der Bonus, wohingegen der Kern meiner Basis (das Herz) den gesunden Takt vorgibt.

Ich habe das Urvertrauen, dass schon alles wieder gut wird. Ein Frühlingserwachen – im Kopf und im Herzen.

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