Ramona Richter

Da kommt was auf dich zu Ramona

Diagnose: Stressfraktur des 3 Mittelfußknochens

Meine Reaktion: …

Die Reaktion des Arztes: Ein unterschwelliges aber nicht böswilliges Schmunzeln, aber er wusste halt genau, was eine solche Diagnose bei mir auslösen würde.

Als Gewohnheitstier wurde mir von einen Tag auf den anderen eine stabile Säule in meinem Leben abgerissen.

Spulen wir die Wochen aber noch einmal zurück…

Warum musste es erst soweit kommen?

In Punkto Stressfraktur denkt man nämlich an eine schleichende, immer wiederkehrende Belastung, die der Körper irgendwann einfach nicht mehr kompensieren kann.

Stichwort Übertraining, nicht ausreichend Regeneration, aber auch eine schlechte bzw. mangelnde Ernährung oder gar eine geringfügige Knochendichte (u.a. als Folge jener Mangelernährung) können eine Stressfraktur begünstigen.

Wenn ich dem Orthopäden also sage, dass ich bis zu 20 Stunden in der Woche trainiere und dabei mit meinem eher zart gebauten Wesen daherkomme, darf man es ihm nicht übel nehmen, dass er die typischen Risikofaktoren als mögliche Ursache auch in meinem Fall in Betracht zieht. Aber jenes Erst-Gutachten ließ sich mit einer weiterführenden Erläuterung (fast schon Rechtfertigung) meinerseits sowie den Fakten (u.a. aus Blutuntersuchung und Knochendichte-Messung) widerlegen.

Meine Erläuterung kurz und knapp: sechs Wochen intensives Training in Barfuß-Schuhen

Mir blieb nämlich nur wenig Zeit, um mich auf ein bestimmtes Event vorzubereiten, für dass ich in jenen Barfußschuhen sowohl laufen als auch hätte schwimmen, springen und klettern müssen. Demzufolge versuchte ich aus jener kurzen Zeit das Beste zu machen und baute mein Training vielschichtig auf – wozu u.a. regelmäßig ein gesteigerter Lauf über 2km auf dem Laufband zählte.

Trotz meines eher Leichtgewichts war die Belastung auf den Vorfuß aber einfach zu hoch. Das lag zum einem an dem harten Untergrund des Laufbands, die fehlende Dämpfung im Schuh selbst aber auch die Tendenz zum Vorfußlaufen, die Barfußschuhe einfach mit sich bringen, sodass die Krafteinwirkung auf den vorderen Bereich des Fußes umso intensiver war.

Ganz davon abgesehen, dass es am Ende dann doch einfach zu viel des Guten war und die ehrgeizigen Ambitionen unter Zeitdruck einfach ausschlugen. Außerdem darf man nicht vergessen, dass wir uns über die Jahre an stabiles und gedämpftes Schuhwerk gewöhnt haben und jener krasser Umschwung dann einfach zu intensiv und unüberlegt kam.

Manchmal sind wir im Eifer des Gefechts zu übermutig und ignorieren jenes Wissen, was wir über Training und Leistungssteigerung gelernt haben.

Das kennen wir nicht nur dann, wenn wir unter (Zeit)druck stehen oder einem persönlich wichtigen Ziel hinterher jagen und dafür alles geben wollen, sondern beispielsweise auch unmittelbar nach einem erfolgreichen Wettkampf, wo die Glückshormone Saltos schlagen und wir am liebsten gleich beim nächsten Rennen an den Starten gehen wollen. Innerhalb von 24 Stunden lässt sich das jedoch meist eher schwer realisieren, sodass zumindest am selben Abend die Anmeldung für den nächsten Wettkampf versendet wird. Aber auch in den Tagen danach eifern wir im Training dem nächsten Erfolg hinterher, anstatt erst einmal Gas rauszunehmen.

Manchmal dreht das Herz einfach durch, während der Kopf ignoriert wird.

So auch meins, das von jenem tiefen Wunsch (am Tag X fit an der Startlinie zu stehen) angetrieben wurde und dabei aus dem Takt geriet, sodass auch ich über meine eigenen Beine stolperte.

An der vermeintlichen Ursache – Übertraining – ist also ansatzweise etwas dran, auch wenn mich meiner Meinung nach die Umstände dazu verleitet haben. Denn wenn ich auf meine bisherigen Jahre zurückschaue, habe ich das Training (samt Pensum, Intensität und Umfang) richtig gesteuert, wobei oft viel nach dem Bauchgefühl entschieden wurde und eigentlich nie nach Plan. Aber eben aufgrund jener kurzfristigen Zielsetzung, habe ich zu viel von mir gewollt und wohl auch zu viel erwartet, dem ich rückblickend verständlicherweise nicht gerecht werden konnte.

Wenn du normalerweise nach Bauchgefühl trainierst und plötzlich nur noch auf den Ehrgeiz hörst.

Ich habe meinen Kopf schlichtweg zu spät eingeschaltet. Denn mein Körper hat mir im Training bereits gezeigt, dass es zu viel ist – u.a. mit ungewöhnlichen Schmerzen in den Waden und Knien. Und weil ich bis dato wie gesagt eigentlich immer gut weggekommen bin, war ich dieses Mal wahrscheinlich zu gutgläubig. Ich wollte mir offensichtlich unbewusst nicht eingestehen, dass ich mir doch zu viel abverlangte. Und ich war zu dumm, um zu begreifen, dass ein Schritt zurück trotz geringer Vorbereitungszeit, am Ende den entscheidenden Fortschritt gebracht hätte.

Also musste es mir mein Körper mit dem Bruch als auch der folgenden Zwangspause schmerzlich ins Bewusstsein rücken. Und ich kann es ihm auch nicht übel nehmen und schäme mich fast dafür, irgendwann nur noch gegen, anstatt mit meinem Körper gekämpft zu haben. Denn bis dato waren wir eigentlich immer ein gutes Team und ich konnte meinen Beinen beispielsweise im Wettkampf vertrauen, dass sie schon genau wissen, was sie heute zu tun haben und wie weit sie gehen können. Denn beispielsweise kontrolliere ich auch im Wettkampf nur ganz selten meine Pace und höre einfach auf das, was mein Körper mir sagt.

Und genau das habe ich dieses Mal nicht getan und dann hat’s halt geknallt.

Wir sind und bleiben Freunde, aber das änderte nichts an der Diagnose und die Folgen:

  • Zwei Monaten Laufpause
  • Ein überdimensionaler Vacumed-Schuh zierte meinen linken Fuß, der mich fortan auch in meiner gewohnten Alltags-Raserei bremste und rein von der Aufmachung ziemlich zurückgeblieben war; denn wenn man bedenkt, dass …
  1. es für den Sommer und Winter nur ein Modell gibt
  2. man den Schuh zwar voll belasten darf und wenn man dies wie ich wörtlich nimmt, sich schnell die Sohle abträgt und man folglich bei Nässe ins Rutschen gerät
  3. jemand wie ich, der eher einen schlanken Unterschenkel hat, den Schuh extra „füttern“ muss, damit er nicht ständig aufs Schienbein drückt, sodass man nach wenigen Tagen bereits blaue Flecken und sogar Schürfwunden bekommt
  4. man aufgrund des Höhenunterschieds anfängt zu humpeln, sodass man in jedem Fall auch auf der anderen Seite einen erhöhten Schuh zum Ausgleich tragen sollte, damit man nicht unnötig eine Fehlhaltung einnimmt -> also greif zu euren alten Buffalos (sind grad ja sowieso wieder im Trend) und freut euch über die gewonnene Körpergröße!
  • Und nicht zu vergessen die täglichen Thrombose-Spritzen, die von meinem Körper als Fremdkörper gedeutet und entsprechend schnell wieder kopfwärts aus dem Körper befördert wurden; obwohl ich die Spritzen unter die Haut meines Beines ansetzte (Bauchfalten geht auch, aber beim Bein fühlte ich mich sicherer) und die Flüssigkeit damit einen ungestörten Venenfluss in den Beinen garantierten sollte, gelang anscheinend auch etwas in die Magengegend, was den ungewollten Ausbruch häuptlings provozierte

Kleiner Exkurs: durch den Vacumed-Schuh wurde mein Knöchel des linken Fußes quasi still gelegt, womit auch die Venen-Pumpe ihre Arbeit aufgegeben hat. Denn beim üblichen Abrollverhalten des Fußes wird normalerweise jener Venenfluss garantiert und wenn dieser nun zwangspausiert, kann es zum Venen-Stau kommen und gefährliche Blutgerinnsel entstehen, die je nach Lokalisation bekanntlich entweder eine Thrombose (an den Beinen), Embolie (in der Lunge), Herzinfarkt (Koronargefäße) oder Schlaganfall (Kopf) verursachen können.

  • Eine weitere Folge: meine entsprechende Laune, die sich von Woche zu Woche jedoch verbesserte, nachdem ich mich irgendwann mit der Situation abgefunden hatte und neue Anreize fand bzw. neue Reize setzen durfte: einerseits konnte ich mich dank Carbonsohle in meinem Sportschuh auf dem Rad austoben und im Wasser durfte ich mit vorzugsweise Armarbeit auch ein wenig Plantschen; beides hat glücklicherweise auch bedingt, dass ich die Thrombose-Spritzen nicht mehr nehmen musste, da die Venen-Pumpe anderweitig in Gang gebracht wurde und der „Astronautenschuh“ somit auch nicht durchgehend getragen wurde

Selbst ist die Frau

Durch meine Rolle als Journalistin konnte ich auch in Sachen Fuß-Bruch meine Recherche-Skills ausspielen. Ich suchte also nach möglichen bzw. alternativen Therapiemaßnahmen, um die (Selbst)heilung zu unterstützten.

Aus dem kurzen Streit mit meinem Körper wurde also schnell wieder Teamwork, denn ich wollte ihn mit dem Bruch nicht alleine lassen, wenn man auch seitens der Ärzte nicht wirklich Hilfestellung bekam und sich das meiste selbst erlesen musste.

#rasendtherapiert mit folgenden Maßnahmen

  • Insbesondere zu Beginn ging ich gegen die Entzündung an der Bruchstelle vor, indem ich altbacken auf Quarkwickel setzte (alternativ wurde diese auch mit Zwiebelscheiben geschmacklich abgerundet); genauso wie mein alltäglicher Begleiter und Entzündungshemmer – ein Mix aus Kurkuma, schwarzen Pfeffer, Chili, Knoblauch und Himalayasalz, entweder im Essen verarbeitet oder als kleiner Shot mit etwas Tomatensaft – weiterhin auf dem Speiseplan stand; zur Abwechslung gab es aber auch mal einen Ingwer-Shot samt frischem Zitronensaft
  • Stichwort: Durchblutung fördern!
  1. Aktiv: auf dem Rad, im Wasser und durch Selbstmassagen; letzteres in der Kombi mit einer Beinwell Salbe, die auf Kräutern basiert, schmerzlindernd wirkt und leicht erwärmend
  2. Passiv: dank regelmäßigen Sauna-Gängen, Magnesium-Fußbäder, Heiß-Kalt-Wassertreten aber auch häufiger scharfes Essen
  • Auch um die nachfolgenden Reha-Behandlungen musste ich mich selbst bemühen bzw. erst auf Anfrage stellte mir mein Orthopäde ein Rezept aus; denn um ehrlich zu sein, bin ich davon ausgegangen, dass dies selbstverständlich wäre, gerade wenn man einer Person wie mir, die normalerweise leistungsorientiert trainiert und das mehrfach in der Woche, einen sauberen Einstieg ins Laufen ermöglichen möchte; allerdings blieben mir besondere Hilfestellungen wie das Laufen auf dem Anti-Schwergewichts-Laufband (kurz: AlterG) verwehrt bzw. mir fehlten die entsprechenden Kontakte
Dafür konnte ich auf andere Unterstützung bauen: u.a. das ELIXIA, die mir seit gut zwei Jahren nicht nur umfangreiche Trainingsmöglichkeiten bieten

Und irgendwann stellt man sich die Frage: Wann darf es wieder los gehen?

Das Herz sagt natürlich schon lange ICH WILL

Der Arzt sagt dann irgendwann auch DU DARFST WIEDER

Aber was KÖNNEN die Beine schon aber SOLLTE der Fuß noch nicht leisten

Die Geduld wird also auch trotz Go des Arztes weiterhin auf intelligente Probe gestellt, denn es braucht seine Zeit, um zur alten und gewohnten Laufform zu finden bzw. der Fuß braucht diese, um hinterherzukommen, auch wenn der Rest des Körper vielleicht schon bereit ist.

Allerdings muss ich zugeben, dass die Lauf-Kondition tatsächlich etwas anderes ist, denn obwohl ich aktiv war und das auf alternativen Wegen auch nicht wenig, kam ich bei meinen ersten Laufversuchen ordentlich aus der Puste. Ein ungewöhnlich hoher Puls und ein lang vergessener Muskelkater insbesondere an den Waden hatte ich so schon lange nicht mehr.

Noch einmal Laufanfänger sein

Meine ersten vier Kilometer am Stück.

Meine ersten Laufversuche waren ein Wechsel aus Laufen und Gehen. Von Mal zu Mal wurden die Gehpausen kürzer und die Laufanteile länger. Ich fühlte mich tatsächlich wie ein Laufanfänger, wobei die Leistungssteigerung deutlich schneller kam. Und genau jene spürbaren Fortschritte waren einfach toll bzw. es war und ist einfach großartig, endlich auch mal wieder bei und nach jedem Lauf eine Entwicklung zu spüren.

Denn man kennt’s… als Läufer spulen wir irgendwann nur unsere Einheiten ab und im laufenden Trott vergisst man schnell, das Erlebnis dabei, das bewegte Gefühl und ja, in gewisser Weise auch die Anstrengung. Denn gerade die Dauerläufe hakt man oft nur noch ab.

Das Lauf ABC, das bei mir eigentlich nach jedem Lauf oder vor jeder Tempo-Einheit nicht fehlen durfte, fiel erst einmal aus, denn dafür war mein Fuß noch nicht bereit. Aber nach und nach kamen auch diese Übungen wieder dazu, nur ich näherte mich allem, bei dem insbesondere der Vorfuß beansprucht wird, bewusst sehr langsam.

Genauso rollte ich beim Laufen anfangs vorrangig über die Ferse ab und setzte nicht wie sonst direkt den Mittelfuß auf. Auch Beschleunigungen jeglicher Art blieben aus und wenn unweigerlich ein kleiner Berg auftauchte (ja auch hier im Norden gibt es den ein und anderen versteckten Höhenmeter) verlagerte ich mein Gewicht nicht nach vorne und setzte dabei wie gewohnt meine Vorfüße zuerst auf, sondern auch hier die Hacke, sodass das Berglaufen zu einem ineffizienten Getrampel wurde.

Mittlerweile merke ich allerdings, dass das Laufgefühl zurückkommt und dass sich meine Aufmerksamkeit nicht allein auf den Fuß und seine „Bemerkungen“ richtet. Es „läuft wieder“ und fühlt sich rund an. Trotzdem merke ich, dass ich der zurück gewonnenen Leichtigkeit noch nicht ganz traue und weiterhin noch vorsichtig bin. Aber das ist auch gut so! Schließlich habe ich etwas entscheidendes dazugelernt:

Wir sind und bleiben verletzlich und wenn wir das (Tempo-)Limit überschreiten, dürfen wir uns nicht wundern, wenn uns die interne Polizei früher oder später aufhält.

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