Ramona Richter

Anti-Viren mit Anthocyanen

Heute widme ich mich #corona mal aus ökotrophologischer Sicht und nehme die „Alarmstufe Rot“ rund um das Thema dann auch gleich als Aufhänger. Denn die Lebensmittel, um dich es sich heute insbesondere dreht, zeichnet ihre dunkelrote Farbe aus.

Stichwort: Anthocyane, bzw. „Anthocyanidine“ – das ist nämlich der farbgebende Bestandteil der Anthocyane. Genauer gesagt ist es ein wasserlöslicher Pflanzenfarbstoff, der für die dunkelrote Färbung der Blüten und tragenden Früchte verantwortlich ist.

Welche Aufgaben übernehmen Anthocyane in der Pflanze?

Die Anthocyane schützen die Pflanzen vor starken UV-Strahlungen, dienen durch ihre Farberzeugende Wirkung als Lockmittel für Insekten (Stichwort: Bestäubung) und binden freie Radikale und schützen die Pflanze so vor oxidativen Stress.

Die Anthocyane werden zu den Flavonoiden gezählt, deren Name sich wiederum vom lat. flavus ableitet, was übersetzt „gelb“ heißt. Das bedeutet aber nicht, dass die Pflanzen zwingend gelb sein müssen, wie wir es an der Gruppe der Anthocyanen sehen oder aber braunen Kakao, der besonders reich an Flavonoiden ist.

Man zählt die Flavonoiden und damit auch die Anthocyanen zu den dir vielleicht geläufigeren sekundären Pflanzenfarbstoffen. Und denen sagt man bekanntlich einige gesundheitsfördernde Wirkungen nach.

Können Anthocyane die Zellen vor dem Virus schützen?

Neben der entzündunghemmenden und gefäßschützenden Wirkungen war für mich insbesondere die antibakterielle und antivirale Wirkung der Anthocyane interessant. Indem sie freie Radikale binden, schützen sie die DNA, Lipide und Proteine vor Schädigung. Und da jede Körperzelle größtenteils aus Proteinen aufgebaut ist, lässt sich hier auch ein schützender Effekt vor Viren vermuten.

Reich an Anthocyanen sind vor allem dunkle Beeren wie Açaí-Beere, Heidelbeeren, Brombeeren, schwarze Johanisbeeren, Aronia-Beeren aber auch, Kirschen, blaue Trauben und beim Gemüse vor allem Rotkohl.

Wichtig sei laut Studien, die Flavonoide generell (zu denen also auch Obst und Gemüse mit enthaltenden Anthocyanen zählen), nicht zusammen mit Milch zu konsumieren, da der positive Effekt damit ausbliebe. Das würde also bedeuten, auf Milch-freie Alternativen zu setzen, wenn man sich die Früchte, so wie ich, gerne mit ins Müsli mischt oder damit seine Frühstückbowl toppt. Aber bei alternativen „Milchprodukte“ gibt es mittlerweile ja fast mehr Auswahlmöglichkeiten, als bei den echten.

Da macht die Verdauung uns einen Strich durch die Rechnung

Forscher haben entdeckt, dass die enthaltenen Farbstoffe bereits im Mundraum zersetzt würden, woran vor allem die dort vorkommenden Bakterien schuld seien. Hier könnte vor dem Verzehr eine antibakterielle Mundspülung schon helfen, weil die Zersetzung so laut Ergebnisse der Studie deutlich langsamer verliefe.

Bevor es ans Frühstück geht, führt der erste Weg am Morgen aber doch meist sowieso ins Bad und dort auch zur Zahnbürste. Und wenn du jetzt zusätzlich noch zur antibakteriellen Mundspülung greifst, machst du es den Anthocyanen somit womöglich leichter.

Die antioxidative Wirkung der Anthocyanen übersteige zwar der von Vitamin C und E, dafür sei aber die Bioverfügbarkeit aus der Nahrung schlechter. Heißt also wieder: Auf eine gesunde und bunte Mischung kommt es an. Aber ich schade mir ganz bestimmt nicht, wenn ich weiterhin auf meine dunklen Beere und zeitgleich gelben Zitrusfrüchte setze!

Bleibt gesund!

Quellenangaben

Spektrum Akademischer Verlag, 1999, Heidelberg; Zugriff am 15.04.2020 unter https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/anthocyane/3904

Lexikoneintrag über Flavonoide und Anthocyane; Zugriff am 15.04.2020 unter https://www.chemie.de/lexikon/Flavonoide.html

Kamonpatana, K. et al. (2012): Susceptibility of anthocyanins to ex vivo degradation in human saliva. In: Food Chemistry 135 (2012) 738–747, (15. November 2012), Zugriff am 15.04.2020 unter https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S030881461200773X

„Kurze Verweildauer, Anthocyane zersetzen sich schon im Mund“, Onlinebeitrag auf Pflanzenforschung.de; Zugriff am 15.04.2020 unter https://www.pflanzenforschung.de/de/pflanzenwissen/journal/kurze-verweildauer-anthocyane-zersetzen-sich-schon-im-m-2202

„Anthocyane entfalten verschiedene positive Wirkungen“, Onlinebeitrag medmix.at; Zugriff am 15.04.2020 unter: https://www.medmix.at/wirkung-der-anthocyane/

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